Auf Tour im Harz

Urlaub muss nicht teuer sein. Unter diesem Motto gibt es bereits einen Beitrag, der die Theorie beinhaltet. Hier in diesem Beitrag möchte ich ein Beispiel für die Anwendung in der Praxis geben.

Bei meiner nächsten Reise geht es nicht an die Küste, sondern ins Gebirge. Oder genauer: Die Reise führt in den Harz.

Reiseplanung? Nein, nicht vorhanden. Einfach mal drauf los. Rein ins Abenteuer. Rein in die Natur. Rein in die Freiheit. Wo es gut ist, bleibe ich. Wo es eher nicht so gut ist, bleibe ich nicht. So einfach ist das Prinzip. Nur eine Sache ist ein Muss: Ich möchte irgendwann im Laufe der Reise auf den Gipfel des Brockens, dem höchsten Berg im Harz.

Hotelreservierungen? Nein, nicht vorhanden. Ist auch gar nicht möglich, denn ich weiß ja nicht, wann ich an welchem Ort sein werde.

Landkarte? Nein, nicht vorhanden. Die meisten Wanderwege sind beschildert. Notfalls wird ein Passant, Busfahrer, Kellner oder was auch immer gefragt. Die grobe Navigation erfolgt durch die Sonne. (Mein Smartphone hat übrigens auch GPS falls alle Stricke reißen.)

Dauer der Reise? Angepeilt ist eine Woche. Vielleicht ein bis zwei Tage länger. Vielleicht geht’s auch schon ein bis zwei Tage früher nach Hause. Ganz nach Lust und Laune.

Reisebudget? Maximal 100 Euro. Mehr als genug zum Überleben und auch genügend, um auch mehrere Abende im Restaurant zu essen. Das Schlafen im Hotel ist nicht vorgesehen. Mit Hängematte und Tarp im Gepäck bevorzuge ich das Schlafen im Freien. Alles andere ist spontan.

 

Los geht’s

Start ist in Wernigerode. Der Grund für diesen Startpunkt ist willkürlich. Wernigerode liegt relativ zentral am nördlichen Teil des Gebirges. Klingt erstmal sinnvoll. Es gibt eine Vielzahl anderer Startmöglichkeiten und einige davon sind bestimmt besser geeignet. Aber mit irgendwelchen “hätte”, “wenn” und “aber” Alternativen möchte ich mich nicht herumärgern. Wie gesagt: Einfach mal drauf los.

Reisebudget:
Maximal 100,- Euro

Von Wernigerode geht es zuerst Richtung Süden. Hinein in den Harz und vor allem bergauf. Vorbei an Elbingerode Richtung Königshütte. Wasserfall Königshütte (Hüttenfall)Am Hüttenfall – einem kleinen Wasserfall bei Königshütte – treffe ich drei andere Wanderer, die genau wie ich eine Reise durch den Harz machen. Nach einer kleinen Pause und einem netten Plausch geht es weiter Richtung Westen. Da ich mich nicht hetzen möchte und die ersten Eindrücke genügen, schlage ich schon bald mein erstes Nachtlager auf.

Am nächsten Tag erreiche ich Braunlage. Braunlage ist eine größere Stadt westlich vom Zentrum des Harzes und südlich vom Brocken. Bereits der erste Eindruck offenbart, dass es sich hier um eine Touristenhochburg handelt. Viele Hotels, Ferienhäuser, Kneipen, Restaurants und natürlich viele Touristen. Kurz nachdem ich Braunlage erreiche, fängt es plötzlich an, heftig zu regnen. Ich suche mir schnell eine passende Möglichkeit zum Unterstellen und lande in einer kleinen Brotstube. So bleiben mein Gepäck und ich trocken. Bei ein paar Scheiben herzhaftem Köhlerbrot, Harzer Käse, Harzer Schmorrwurst und einem großen Krug Hexenbier ist der Regen auch gar nicht mehr so schlimm. In dieser Stadt gefällt es mir sogar so gut, dass ich noch einen weiteren Tag bleibe.

Am nächsten Tag lerne ich sehr freundliche und interessante “Einheimische” kennen, die neugierig meiner nicht-vorhandenen Reiseplanung lauschen. Nach einem Wechsel der Location wird mir sogar ein Schlafplatz auf der Couch angeboten. Spontanes Couchsurfen ist einfach genial.

Nach einer gemütlichen Nacht und leckerem Frühstück geht es gegen Mittag wieder los auf Wanderung. Die Route soll heute zum Brocken führen. Da Braunlage südlich vom Brocken liegt, muss ich also nach Norden. Da die Sonne mittags im Süden steht (zumindest auf der Nordhalbkugel), muss ich also so laufen, dass mir die Sonne im Rücken steht. Gesagt, getan. Nach ein paar Kilometern sehe ich wieder die ersten Wanderwegbeschilderungen. Das Naturerlebnis ist wieder atemberaubernd. Mit einigen Pausen an Flüssen und Bächen ist der nächste Schlafplatz in der Nähe des Dreieckigen Pfahls, ein historischer Grenzstein, der damals die Grenze zwischen dem Königreich Hannover und dem Herzogtum Braunschweig markierte.

Am nächsten Morgen geht’s weiter Richtung Brocken. Es soll ein extrem heißer Tag werden. Bereits gegen 09:00 Uhr ist es so heiß, dass selbst die kleinste Wasserstelle zum Genuss wird, um sich abzukühlen. Nach und nach werden die Bäume kleiner und die Luft wird spürbar dünner. Aussicht HarzwanderungEntlang des Goethe-Weges – dem Weg, den Johann Wolfgang von Goethe wählte, um den Brocken zu erklimmen – geht es weiter Richtung Berggipfel. Zunehmender Wind begleitet den Aufstieg. Die Fotos, die ich unterwegs gemacht habe, können das faszinierende Erlebnis und die tolle Aussicht natürlich nicht wiederspiegeln. Da musst du einfach mal gewesen sein.

Endlich angekommen lasse ich die Eindrücke am Gipgel erstmal wirken. Allzu lange kann ich aber nicht bleiben, denn ich habe nicht vor, im Hotel zu übernachten und rund um den Gipfel ist das Verlassen der Wege streng verboten. Aber erstmal noch eine Kleinigkeit essen und den Vorrat an Trinkwasser wieder aufstocken. Nach etwa 2 Stunden steht nun der Abstieg an. Selbstverständlich gehe ich nicht den gleichen Weg zurück. Da ich keine Karte von der Region habe, laufe ich wie bisher einfach mal drauf los. Fast zufällig lande ich auf dem Hexenstieg. Naja, nicht ganz zufällig, denn von dort kommen die Touristen. 😉 Anders als der Goethe-Weg ist dieser Abschnitt des Hexenstiegs eher abenteuerlich mit großen Felsen, Wurzeln und insgesamt deutlich steiler. Unterwegs gönne ich mir noch eine kleine Abkühlung in einem kleinen Fluss. Unten angekommen erreiche ich ein Dorf namens Schierke. Vielleicht ist es ein schlechtes Timing, aber dieses Dorf wirkt an diesem Tag wie ausgestorben. Hier möchte ich nicht bleiben. Da ich mir schon Gedanken um einen Schlafplatz machen muss und die nächste Stadt wieder Braunlage wäre, geht es nun mit dem Bus weiter bis nach Altenau.

Den Bus nehme ich auch am nächsten Morgen. Nördlich von Altenau befindet sich der Okerstausee. Ein riesiger Stausee im Okertal, der – wenn man möchte und etwas Geld dafür übrig hat – mit einem Schiff befahrbar ist. OkertalsperreEine Rundfahrt auf dem Okerstausee kostet mit dem Linienschiff 11 Euro und dauert etwa 90 Minuten (Stand: Mai 2014). Am Grund des Stausees befinden sich übrigens die überfluteten Orte namens Unter- und Mittelschulenberg. Einer Sage zufolge solle hier bei niedrigem Wasserstand die Spitze eines Kirchtums zu sehen sein, dessen Glocken zu hören sind.

In Braunlage hat mir eine nette Dame den Tipp gegeben, dass ich zum Abschluss meiner Reise unbedingt die Altstadt von Goslar besuchen soll. Genau das habe ich nun vor. So führt meine nächste Wanderetappe vom Okerstausee Richtung Norden nach Goslar. Und hier endet meine Reise. Zum Abschluss genieße ich den Abend bei gemütlichem Sonnenschein an der Marktkirche mit einem Glas Gose, einem obergärigem Bier einer Privatbrauerei in Goslar.

 

Rückblick

Das war meine knapp einwöchige Tour als Backpacker und Bushcrafter durch den Harz. Es war ein wundervolles Naturerlebnis mit tollen Erfahrungen. Nebenbei habe ich wieder sehr interessante Menschen kennenlernen dürfen. Bestimmt kehre ich eines Tages dorthin zurück, insbesondere auch deshalb, weil ich sehr viele Aktivitäten ausgelassen habe. Trotzdem war es eine tolle und unvergessliche Reise. Spontan, planlos und nur mit 100 Euro in der Tasche. Denn Urlaub muss nunmal nicht teuer sein.Route Harz

P.S. Meine ungefähre Reiseroute muss etwa so ausgesehen haben. (Siehe Foto rechts)

P.P.S. Vielleicht hast du auch ein paar coole Erfahrungen im Harz gemacht. Über einen Kommentar würde ich mich sehr freuen.

4 Comments Auf Tour im Harz

  1. Ariane 14. Februar 2015 at 9:18

    Ja, mir gefällt Dein Bericht und auch Dein youtube Video. In Teilen bin ich Deinen Weg auch schon gewandert. Und dass Du mit so wenig Geld auskommst, finde ich klasse! Würde ich auch gern mal machen. Aber ist es nicht gruselig, allein nachts im Wald zu campen?

    Reply
    1. Tobi 15. Februar 2015 at 23:27

      Hallo Ariane,

      vielen Dank für deinen Kommentar und es freut mich sehr, dass dir der Reisebericht gefällt. 😉

      Gruselig? Nein, überhaupt nicht. Das sind alles nur Hirngespinste. Bei der ersten Nacht alleine im Wald, spielt das Gehirn ein bisschen verrückt, weil die ganzen Geräusche der Natur noch völlig fremd sind. Aber daran gewöhnt man sich sehr schnell.

      Diesbezüglich habe ich übrigens bereits einen Beitrag geschrieben, der genau diese Thematik umfasst und mögliche Ängste unterbinden soll. Hier der Link: http://treat-of-freedom.de/nachts-alleine-im-wald/

      Einfach mal ausprobieren. 😉

      Viel Spaß und liebe Grüße,
      Tobi

      Reply
    1. Tobi 26. Mai 2015 at 12:39

      Hallo KB Bushcraft,

      cooles Video, aber über einen kurzen Text statt nur eines Links hätte ich mich dennoch gefreut. 😉

      Reply

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