Das richtige Outdoormesser

Früher oder später wirst du merken, dass das Messer auf deiner Reise dein wichtigstes Werkzeug ist. Du wirst es nutzen zum Schnitzen und zum Anspitzen von Pfeilern für deinen Unterschlupf. Du wirst es nutzen, um zu jagen und um deine Nahrung vorzubereiten. Du kannst du es sogar nutzen, um dein Feuerholz in die richtige Größe zu bringen und um es zu entzünden. Dein Messer wird dein Helfer für jede Gelegenheit. Doch welches Messer ist das richtige?

Wenn du dich ein paar Minuten im Internet nach einem geeigneten Outdoor-Messer oder Survival-Messer umschaust, dann wirst du merken, dass es unzählige verschiedene Messer und ebenso unzählig viele Empfehlungen gibt. Gerade einen Anfänger kann dies sehr schnell überfordern. An dieser Stelle möchte ich dir ein paar Hinweise geben, worauf du bei der Wahl deines Messers achten solltest.

 

„Rostfreier“ Edelstahl vs. Carbonstahl

Zuerst einmal: Kein Stahl ist zu 100 Prozent rostfrei. Als „rostfrei“ werden die Messer bezeichnet, die mit mindestens 13 Prozent Chrom legiert sind. Dies sorgt dafür, dass die Klinge widerstandsfähiger gegen Feuchtigkeit und Säure wird. Eine 100%ige Rostfreiheit kann dadurch aber nicht erreicht werden. Der richtige Ausdruck ist „rostträge“.

Dein Outdoormesser braucht Pflege. Bedenke vor dem Kauf, ob du dein Messer ordnungsgemäß pflegen kannst!

Die Vorteile eines Edelstahlmessers liegen vor allem in der Robustheit und im Durchhaltevermögen. Da es widerstandsfähiger gegen Feuchtigkeit und Säure ist, musst du es nicht so intensiv pflegen. Der Nachteil hingegen ist, dass sich ein Edelstahlmesser schwerer schleifen lässt und die maximale Schärfe geringer ist als die eines Carbonstahlmessers.

Daraus ergeben sich die Vor- und Nachteile eines Carbonstahlmessers. Die Klinge beim Carbonstahl lässt sich leichter schleifen und ist insgesamt schärfer und schnitthaltiger. Allerdings besitzt das Carbonstahlmesser keinen Schutz gegen Säuren und Feuchtigkeit und muss somit nach der Benutzung entsprechend gepflegt werden.

Als Bushcrafter und Rucksackreisender musst du dir gut überlegen, ob du eine Carbonstahlklinge ordnungsgemäß pflegen kannst. Ein feuchtes Klima, Salzwasser am Meer und sogar das Aufschneiden einer Frucht (Fruchtsäure/Zitronensäure) haben negative Auswirkungen auf das Carbonstahlmesser. Wenn du allerdings auf die Schärfe der Klinge nicht verzichten möchtest, kannst du möglicherweise ein zweites Messer mitnehmen. Die schweren Arbeiten erledigt dann dein großes und robustes Edelstahlmesser.

 

Die Härte des Stahls und die Breite des Messerrückens

Die Härte des verwendeten Stahls wird in Rockwell (HRC) gemessen. Je höher der angegebene Wert, desto härter ist die Klinge. Dein Messer sollte zwischen 55 und 62 HRC liegen. Neben der Härte spielt natürlich die Breite der Klinge eine Rolle. Dünnere Messer mit einem Messerrücken von beispielsweise 2 mm sind nicht so robust wie ein Messer mit 5 mm Breite. Härtere und breitere Messer können sogar zum Aufhebeln von harten Gegenständen und zum sogenannten Batoning (Spalten von Holzscheiten für das Feuer) verwendet werden. Eine dünnere Klinge würde bei diesen Arbeiten früher oder später zerbrechen.

 

Full-Tang vs. Partial-Tang

Bei einem Full-Tang-Messer nimmt der Stahl die gesamte Länge und Breite des Messers ein. Sowohl die Klinge als auch der Bereich des Griffs bestehen aus einem einzigen Stück Stahl. Diese Einheit macht das Messer zusätzlich robust. Das Material für den Griff wird angeschraubt.

Von einem Partial-Tang-Messer wird gesprochen, wenn die Klinge in den Griff eingesteckt wird. Hierbei reicht der Stahl etwa bis zur Hälfte bzw. zu drei Vierteln des Griffs. An der Verbindungsstelle kommt es leicht zu Materialermüdungen. So kann es passieren, dass die Klinge abbricht und sogar herausfällt. Das Messer ist somit nicht besonders robust, dafür aber etwas günstiger. Sollte vom Hersteller nicht ein sinnvoller Zusatznutzen erklärt werden, kann ich persönlich ein Partial-Tang-Messer nicht empfehlen.

 

Fazit:

Ein gutes Messer ist nicht günstig. Wenn du erstmal klein anfangen möchtest, dann kauf dir nicht gleich ein Messer für 100 Euro. Such dir erst einmal ein günstiges Messer für 15 bis 20 Euro und gehe raus in die Natur. Mit der Zeit lernst du die Wichtigkeit dieses Werkzeugs kennen.

Wenn du dies gelernt hast, dann bist du bereit für ein gutes, hochwertigeres Messer mit all den gewünschten Eigenschaften. Und dann weißt du den Preis auch zu schätzen.

 

P.S. Achte immer darauf, dass dein Messer scharf ist. Nur ein scharfes Messer ist auch ein gutes Messer. Denn sobald deine Klinge stumpf ist, passiert es sehr schnell, dass du zu viel und vor allem unkontrollierte Kraft einsetzt, um mit dem Messer zu arbeiten. Dadurch wird dein Messer zur Gefahr statt zur Hilfe.

 

P.P.S. Dein Messer ist ein Werkzeug und kein Spielzeug! Wenn du in einer Stadt bist, verstau dein Messer in deinem Rucksack.

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