Dirty Dozen – 12 essbare Wildkräuter

Während viele Menschen einen gewaltigen Abstand zu Pflanzen und insbesondere Wildpflanzen hegen, gehören Wildpflanzen seit Langem zu meinem fast alltäglichen Speiseplan – sowohl auf Reisen als auch Zuhause.

Denn die Pflanzenkunde ist nicht so derart komplex, wie sie für Unwissende scheint. Selbst im eigenen Garten lassen sich essbare Pflanzen finden, die allerdings von vielen Menschen des Öfteren als Unkraut bezeichnet werden. Leider.

Dieses “Unkraut” ist nicht schlecht, gefährlich oder nervig, sondern stellt eine gesunde und nährstoffreiche Zutat dar: ob für den Salat oder für den grünen Smoothie, ganz egal. Die Nährstoffe und Vitamine wie beispielsweise Eisen, Kalzium und Vitamin C sind in wilden Pflanzen um ein Vielfaches höher vertreten als im typischen Kopfsalat, was nicht verwundert, denn eine wilde Pflanze hat es geschafft, jegliche Umstände ohne Zucht oder Düngerpräparate in der Natur zu überleben und zu wachsen. Eine Pflanze voller Power.

Diese Power kannst du in deinen Speiseplan integrieren und dir zunutze machen.

Doch wie gelingt der Start, sozusagen der erste Schritt in die Welt der Pflanzen?

Ganz einfach: Indem du dir wenige Pflanzen heraussuchst, die du schnell und eindeutig wiedererkennen kannst und nahezu keine Verwechslungsgefahr zu giftigen Pflanzen darstellen. Hilfreich sind dabei die sogenannten “Dirty Dozen” (übersetzt: das schmutzige Dutzend bzw. die schmutzigen Zwölf).

Die Dirty Dozens sind weltweit zu finden, haben praktisch keine Verwechslungsgefahr, sind super lecker und vor allem reich an Nährwerten. Einige von ihnen findest du bestimmt in deinem eigenen Garten.

 

1) Brennnesseln

(Urtica spec.)

Dirty Dozen - Brennnesseln

Bestimmungsmerkmale:

Etwa 70 bis 150 Zentimeter große Pflanze mit kreuzgegenständigen, gesägten Laubblättern. Am Stängel und an der Unterseite der Laubblätter befinden sich die prägnanten, unangenehm stechenden Brennhaare. Durch Reibung in Wuchsrichtung lassen sich diese Brennhaare problemlos entfernen und für den rohen Verzehr vorbereiten.

Essbare Pflanzenteile:

  • Wurzel
  • Sprossachse
  • Blätter
  • Blüte
  • Samen

Wo du Brennnesseln findest:

Brennnesseln lassen sich an nährstoffreichen Bachufern, an Waldrändern und an Wiesen finden. Durch die rasante Vermehrung steht eine Pflanze selten alleine, sondern in großen Feldern.

Verwechslungsgefahr:

Keine Verwechslungsgefahr mit Giftpflanzen. Ein ähnliches Aussehen hat die Taubnessel, welche aber nicht giftig, sondern ähnlich gesund ist.

Darüber hinaus variiert die Wirkung der Brennhaare der Brennnessel in unterschiedlichen Regionen der Welt.

 

2) Fuchsschwänze

(Amaranthus spec.)

Dirty Dozen - Fuchsschwänze

Bestimmungsmerkmale:

Den Namen dieser eher kleinen und krautigen Pflanze verdankt sie den meist grünen, manchmal auch violetten Blüten, die sich eng und schuppig an den oberen Blattachseln aneinanderreihen. Wie zum Beispiel der Amarant.

Weitere wichtige Vertreter der Fuchsschwänze sind beispielsweise der wilde Spinat oder die Rübe.

Essbare Pflanzenteile:

  • Wurzel
  • Sprossachse
  • Blätter
  • Blüte
  • Samen

Wo du Fuchsschwänze findest:

Fuchsschwänze wachsen insbesondere an Brach- bzw. Ruderalstellen, an und auf Wiesen, auf mageren Böden und auf Schwemmland.

Verwechslungsgefahr:

Keine Verwechslungsgefahr.

 

3) Gänsefüße und Melden

(Chenopodium spec./Atriplex spec.)

Dirty Dozen - Melden

Bestimmungsmerkmale:

Wechselständiges Laub mit einer gänsefuß- oder pfeilartigen Form. Am oberen Teil der Pflanze befinden sich die Blüten in Form von vielen kleinen Kügelchen.

Darüber hinaus ist häufig eine leichte, silbrige Behaarung auf den Blättern zu finden.

Essbare Pflanzenteile:

  • Wurzel
  • Sprossachse
  • Blätter
  • Blüte
  • Samen

Wo du Gänsefüße und Melden findest:

Gänsefüße und Melden wachsen insbesondere an Brach- bzw. Ruderalstellen, an und auf Wiesen, auf nährstoffreichen Böden und auf Schwemmland.

Verwechslungsgefahr:

Einige Melden lassen sich mit dem Bingelkraut verwechseln. Merke: Melden besitzen wechselständiges Laub (siehe Bestimmungsmerkmale), das Bingelkraut besitzt ein gegenständiges Laub.

 

4) Kletten

(Arctium lappa)

Dirty Dozen - Kletten

Bestimmungsmerkmale:

Wechselständiges Laub in einer leicht herzförmigen Form. Die Hüllblätter der Blüten sind mit kleinen Widerhaken bestückt. Bestimmt haben sich schon des Öfteren mehrere dieser Hüllblätter an deiner Kleidung verfangen.

Essbare Pflanzenteile:

  • Wurzel
  • Sprossachse
  • Blätter
  • Blüte
  • Samen

Wo du Kletten findest:

Kletten wachsen an Brach- bzw. Ruderalstellen, am Wegesrand und auf Wiesen.

Verwechslungsgefahr:

Keine Verwechslungsgefahr.

 

5) Löwenzahn

(Taraxacum spec.)

Dirty Dozen - Löwenzahn

Bestimmungsmerkmale:

Weiße, buttergelbe oder orange Korbblüte. Tief gezahntes, an Flammen erinnernde Laubform. Hohle Sprossachse, meist mit einem weißen Milchsaft gefüllt. Nach dem Verblühen bleiben die Samen mit ihren weißen Flugschirmchen bestehen, die häufig auch als “Pusteblume” bezeichnet wird.

Essbare Pflanzenteile:

  • Wurzel
  • Sprossachse
  • Blätter
  • Blüte
  • Samen

Wo du Löwenzahn findest:

Löwenzahn wächst nahezu überall, wo sich halbwegs trockene und sonnige Stellen befinden. Sehr wahrscheinlich findest du eine Menge Löwenzahn im eigenen Garten, ansonsten am Straßenrand, am Waldrand, am Bachufer, an Brach- bzw. Ruderalstellen sowie an und auf Wiesen.

Verwechslungsgefahr:

Keine Verwechslungsgefahr.

 

6) Nachtkerzen

(Oenothera biennis)

Dirty Dozen - Nachtkerzen

Bestimmungsmerkmale:

Wechselständiges Laub in einer eiförmig zugespitzten Form. Vier leuchtend gelbe Kronblätter. Insgesamt acht Staubblätter im Inneren der Kronblüte. An der Sprossachse wachsen viele kleine, aufrecht stehende Kapseln. Im Inneren dieser Kapseln befinden sich braune Samen.

Essbare Pflanzenteile:

  • Wurzel
  • Sprossachse
  • Blätter
  • Blüte
  • Samen

Wo du Nachtkerzen findest:

Nachtkerzen wachsen an Waldrändern, an Brach- und Ruderalstellen, auf und an Schutthalden und anderen sonnigen sowie trockenen Standorten.

Verwechslungsgefahr:

Keine Verwechslungsgefahr.

 

7) Rohrkolben

(Typha latifolia u.a.)

Dirty Dozen - Rohrkolben

Bestimmungsmerkmale:

Auffälligstes Bestimmungsmerkmal ist der namensgebende braune Kolben, bestehend aus zusammengepressten Flugschirmchen. (Diese Flugschirmchen können im Übrigen ideal als Zunder verwendet werden.)

Weitere Merkmale sind die langen Blätter, die sich nach oben hin zuspitzen, sowie der hohle Stängel.

Essbare Pflanzenteile:

  • Blätter
  • Sprossachse (bevorzugt die jungen, weißen Triebe, die sich Unterwasser befinden)
  • Wurzel

Wo du Rohrkolben findest:

In Sumpfgebieten, an See- und Bachufern, an Flüssen – zusammengefasst am Rand von Gewässern.

Verwechslungsgefahr:

Keine Verwechslungsgefahr.

 

8) Rosen

(Rosa canina u.a.)

Dirty Dozen - Rosen

Bestimmungsmerkmale:

Zu den Rosengewächsen gehören nicht nur die bunten Blumen, die du deiner oder deinem Liebsten als Geschenk machen kannst, sondern auch nahezu alle uns bekannten Obstpflanzen, wie zum Beispiel der Kirschbaum, der Apfelbaum, der Pflaumenbaum oder der Mandelbaum. Außerdem gehören Pflanzen wie die Hagebutte, die Eberesche und die Beerensträucher wie Himbeere und Brombeere zu den Rosengewächsen.

Da hier unzählige verschiedene Bestimmungsmerkmale jeden Rahmen sprengen würden, empfehle ich, dir zuerst ein oder zwei Rosengewächse und ihre Bestimmungsmerkmale einzuprägen.

Zum Beispiel die Brombeere oder die Hagebutte erkennst du an ihren großflächigen Wuchsverhalten in Form einer Hecke oder Ranke. Die verholzten Pflanzenteile besitzen einen großen Stachel. Die Blüten haben einen großen, grünen Kelch und insgesamt fünf Blütenblätter.

Essbare Pflanzenteile:

  • Blätter
  • Blüten
  • Samen
  • Früchte

Wo du Rosen findest:

Die als Hecken wachsenden Rosengewächse findest du meist am Wegesrand, aber auch an Waldrändern und Wiesen.

Verwechslungsgefahr:

Keine Verwechslungsgefahr mit Giftpflanzen.

 

9) Schilfrohr

(Phragmites australis ssp.)

Dirty Dozen - Schilfrohr

Bestimmungsmerkmale:

Schilf ist weltweit an jeglichen Gewässerändern zu finden und sehr leicht an seinem aufrechten Stängel sowie an seinen langen, grünen, spitz zulaufenden Blättern zu erkennen. Darüber hinaus findest du eine Pflanze niemals alleine, sondern in Form von ganzen Schilffeldern. Die rötliche, graue oder braune Blüte bildet das obere Ende des Schilfs und erinnert an eine kleine Flagge.

Essbare Pflanzenteile:

  • Wurzel
  • Sprossachse ((bevorzugt die jungen, weißen Triebe, die sich Unterwasser befinden)
  • Blätter

Wo du Schilfrohr findest:

Schilfrohr wächst an sämtlichen Gewässern, wie beispielsweise See-, Fluss- und Bachufern sowie Sumpfgebieten.

Verwechslungsgefahr:

Keine Verwechslungsgefahr.

 

10) Springkräuter

(Impatiens glandulifera u.a.)

Dirty Dozen - Springkräuter

Bestimmungsmerkmale:

Auffälligstes Bestimmungsmerkmal sind die typischen und namensgebenden Kapselfrüchte, die bei Berührung explosionsartig platzen. Bestimmt hast du dir als kleines Kind schon des Öfteren den Spaß gemacht, die kleinen Kapseln mit den Fingern zu zerdrücken und hast dich an dem kleinen “Knall” erfreut. Aufgrund dieser Eigenschaft wird das Springkraut in vielen Kreisen auch “Rühr-mich-nicht-an” genannt.

Weitere Merkmale sind die hohle Sprossachse sowie die äußerst interessant geformten gelblichen oder violetten Blüten, die etwas an große Konzertleuchten erinnern.

Essbare Pflanzenteile:

  • Wurzel
  • Sprossachse
  • Blätter
  • Blüte
  • Samen

Wo du Springkräuter findest:

Ähnlich wie Schilfrohr und Rohrkolben findest du Springkräuter am Rande von Gewässern.

Verwechslungsgefahr:

Keine Verwechslungsgefahr.

 

11) Wasserlinsen

(Lemna minor)

Dirty Dozen - Wasserlinsen

Bestimmungsmerkmale:

Die Wasserlinse – oder auch Entengrütze genannt – stellt eine Ausnahme in jeglichen Bestimmungsmerkmalen dar. Die Wasserlinse hat keine Sprossachse und bildet auch keine Blüten aus. Eine Bestimmung anhand dieser Merkmale ist deshalb nicht möglich.

Trotzdem ist die Wasserlinse sehr leicht zu erkennen, denn die kleinen, grünen Blättchen liegen meist auf der Oberfläche von stehenden Gewässern und dies nicht nur in kleinen Flecken, sondern meist in ganzen flächendeckenden Feldern.

Achtung: Wasserlinsen gehören zur Familie der hochgiftigen Aronstabgewächse. Allerdings ist die Giftigkeit der Wasserlinsen so gering, dass sie für den menschlichen Körper kein Problem darstellt. Ich selbst habe keine negativen Erfahrungen mit Wasserlinsen gemacht, aber es wird offiziell empfohlen, die Wasserlinsen bei Verdauungsproblemen und dem Verzehr größerer Mengen vorher abzukochen.

Essbare Pflanzenteile:

  • Wurzel
  • Blätter

Wo du Wasserlinsen findest:

Weltweit in nahezu allen stehenden Gewässern.

Verwechslungsgefahr:

Keine Verwechslungsgefahr mit Giftpflanzen.

 

12) Wegeriche

(Plantago spec.)

Dirty Dozen - Spitzwegerich

Bestimmungsmerkmale:

Mein persönliches Lieblingskraut: der Spitzwegerich.

Auffälligstes Bestimmungsmerkmal sind die parallel verlaufenden Nerven bzw. Rohre auf der Rückseite der Blätter.

Weitere Merkmale sind die kolbenartigen Blüten mit ihren meist weißen Staubgefäßen und ihren grünen, weißen oder rötlichen Sprossachsen.

Essbare Pflanzenteile:

  • Wurzel
  • Sprossachse
  • Blätter
  • Blüte
  • Samen

Wo du Wegeriche findest:

Wenn du einmal gelernt hast, Wegeriche sicher zu erkennen, wirst du sie überall auf der Welt wiederfinden. In der Stadt am Straßenrand, im und am Wand, in und auf Wiesen, in Brach- bzw. Ruderalstellen, an und auf Wegen und sogar im eigenen Garten – überall wirst du Wegeriche entdecken.

Verwechslungsgefahr:

Zu den Wegerichgewächsen zählen einige hochgiftige Pflanzen, allerdings sehen diese Arten völlig anders aus als die hier beschriebenen und gezeigten Wegeriche. Eine Verwechslung ist daher auszuschließen.

 

Fazit

Die Dirty Dozen geben dir einen sicheren und einfachen Einstieg in die Pflanzenkunde. Der Einstieg ist weniger schwierig als zuvor gedacht. Bestimmt sind dir die meisten der Pflanzen bereits bekannt. Sehr wahrscheinlich wachsen einige der Dirty Dozen in deinem Garten, sodass du kannst direkt hinausgehen und den Geschmackstest machen kannst.

Präge dir so viele Pflanzen wie möglich ein und übe bei deiner nächsten Wanderung durch die Natur.

Nach und nach wirst du nicht nur die Dirty Dozen, sondern auch weitere Pflanzen wie zum Beispiel den wilden Spinat, die Sauerampfer oder die Minze sicher bestimmen können. So wirst du bei deinen nächsten Abenteuerreisen immer etwas zu essen finden und möglicherweise integrierst du zukünftig die Wildpflanzen in deinen alltäglichen gesunden Speiseplan.

 

2 Comments Dirty Dozen – 12 essbare Wildkräuter

  1. Susanne 3. Dezember 2015 at 17:56

    Moin Tobi,
    klasse, das man so viel Natur essen kann, man geht ja fast täglich daran vorbei. Sind auch schöne Bilder….hehe
    Vielen Dank auch für das nette Gespräch 🙂
    Viele Grüsse
    Susanne

    Reply
    1. Tobi 3. Dezember 2015 at 18:00

      Hi Susanne,
      ich bedanke mich ebenfalls für das freundliche Gespräch.
      Und ja, die Natur hat wirklich sehr viel zu bieten. 😉

      Liebe Grüße,
      Tobi

      Reply

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