Einen Flusslauf richtig einschätzen

Das Fließen von Wasser zu beobachten, ist für uns Menschen immer etwas Besonderes. Insgesamt scheint ein Gewässer eine magische Anziehungskraft für uns Menschen zu haben. Doch was auf Fotos und aus sicherer Entfernung meist angenehm für das Auge ist, kann sich für den Körper sehr schnell zu einer lebensgefährlichen Notsituation entwickeln. Insbesondere bei einem Wildwasserfluss sollten daher gewisse Dinge zwingend beachtet werden.

 

Zuerst einmal …

… ist und bleibt Wildwasser auch nach diesem theoretischen Artikel nicht ungefährlich. Und da jeder Fluss anders ist und sich der Wasserspiegel regelmäßig ändert, gibt es niemals eine allgemeingültige Allround-Antwort, wie sich ein Laie auf jedem Fluss der Welt verhalten sollte. Um die richtigen Entscheidungen auf verschiedenen Wildwasser-Niveaus richtig einschätzen bzw. “lesen” zu können, sind eine Menge Erfahrungen in der Praxis notwendig.

Wer sich auf einem Fluss befindet oder einen Fluss durchqueren möchte, sollte sich demnach vieler Dinge bewusst sein.

 

Wildwasser im Allgemeinen

Die Schwierigkeitsstufen

Im Allgemeinen wird Wildwasser in fünf Schwierigkeitsstufen unterteilt. Kategorisiert werden diese Stufen von Wildwasser 1 (WW-I), welche die geringste Schwierigkeit mit wenigen Hindernissen darstellt, bis zu Wildwasser 5 (WW-V), welche in vielen Fällen als unbefahrbar eingestuft wird, weil zahlreiche Hindernisse mit engen Flusslauf richtig einschätzen - KehrwasserVerblockungen und extrem hohen Walzen eine Durchfahrt nahezu unmöglichen machen.

Ein Fluss wird in mehrere Abschnitte unterteilt und jeder Abschnitt erhält eine eigene Schwierigkeitsstufe. So ist es möglich, dass manche Abschnitte als WW-V eingestuft werden und somit gar nicht oder nur sehr schwer befahrbar sind und andere Abschnitte so ruhig sind, dass man sie kaum als Wildwasser bezeichnen würde.

Allerdings variieren die Schwierigkeitsstufen des Flusses je nach Wasserstand. Grundsätzlich gilt, dass ein höherer Wasserstand und ein damit verbundener höherer Wasserdruck die Schwierigkeitsstufe des Flusses erhöht. Doch auch ein niedriger Wasserstand kann die Schwierigkeit erhöhen, denn möglicherweise werden unterspülte Felsen offenbart, die zuvor ungefährlich und versteckt waren. Dazu mehr im späteren Absatz.

Solltest du auf deiner Tour einen Fluss durchqueren müssen, dann meide die Abschnitte, bei denen du unmittelbar größere und kleinere Hindernisse erkennen kannst.

 

Hauptströmung, Kehrwasser und Verschneidungszone

Die Hauptströmung ist die Strömung, in der das Wasser mit der größten Geschwindigkeit den Flusslauf hinabfließt. Prallt das Wasser nun auf ein Hindernis, wie z. B. einen Stein, so entsteht vor diesem Stein eine große Kraft, an der das Wasser abprallt.

Hinter dem Hindernis würde nun – rein theoretisch – ein Loch entstehen. Da sich jedoch Wasser gleichmäßig verteilt, wird dieses Loch wiederum mit Wasser aufgefüllt. Dieses Wasser fließt dementsprechend rückläufig zur Hauptströmung und wird Kehrwasser genannt. Bei geringem und mäßigem Wasserstand ist das Kehrwasser in der Regel eine sichere Zone, in der du nicht von der Hauptströmung erfasst wirst. Bei extrem hohem Wasserstand und vielen Verwirbelungen kann es im Kehrwasser allerdings zu tödlichen Strudeln kommen.

Als Verschneidungszone wird die Zone bezeichnet, die sich zwischen der Hauptströmung und dem Kehrwasser befindet. Direkt hinter dem Hindernis ist die Verschneidungszone am geringsten und die Richtungen der Strömung sind klar definiert. Je weiter du dich vom Hindernis entfernst, desto mehr vereinen sich die Hauptströmung und das Kehrwasser, was einen sehr undefinierten und unberechenbaren Bereich darstellt.

Flusslauf richtig einschätzen - Skizze

 

Siphone

Als Siphone werden in der Höhlenkunde unterspülte Felsen bezeichnet, durch die unterhalb des Wasserspiegels das Wasser durch Felsen hindurchfließt. Klingt erst einmal wenig spektakulär. Doch das Wasser findet immer einen Weg durch schmale Spalten und Löcher in oder unter Felsen hindurch. Doch was passiert, wenn der menschliche Körper zwar hineingerät, doch auf der anderen Seite nicht hinauskommen kann, weil der Durchgang zu klein ist? Einen Rückweg gibt es nicht, denn der Wasserdruck hält dich in dieser Sackgasse gefangen.

Genauso tückisch wie Siphone ist auch überstehendes Gehölz. Das Wasser kann selbst durch dichtes Geäst hindurchfließen, doch dein Körper passt nicht hindurch. Gemeine Falle.

Eigenbergung ist in den meisten Fällen unmöglich. Rettung kommt meist zu spät.

 

Die Stärke des Wassers

Die Stärke des Wassers darfst du niemals unterschätzen. Selbst der Teilabschnitt eines Flusses, den du als eher ruhig einschätzen würdest, hat noch eine gewaltige Kraft. Schließlich bewegen sich hier jede Sekunde Tausende Liter Wasser von A nach B.

Bei einem Wildwasserfluss von einem Ufer ans andere Ufer zu schwimmen, ohne dabei viele Meter flussabwärts zu geraten, ist nahezu unmöglich. Das Anschwimmen gegen die Strömung hat keinen Sinn.

 

So schwimmst du richtig im Wildwasser

Wer im Alltag über das Schwimmen spricht, meint meist das Kraulen oder das Brustschwimmen. Kopf nach vorne, Bauch auf das Wasser und je nach Schwimmart die Arme und Beine bewegen, um nach vorne zu kommen.

Im Wildwasser ist das anders. Flussabwärts gelangst du, auch ohne etwas zu tun. Du musst dich also nicht aus eigener Kraft nach vorne bewegen.

Setz dich ins Wasser. Leichte Rücklage und die Beine leicht angewinkelt nach vorne flussabwärts in Schwimmrichtung mit der Hauptströmung halten. So ist dein Kopf erstmal durch deine Beine und durch deinen Körper geschützt. Mit den Armen kannst du etwas navigieren. Felsen, auch Unterwasser, versuche weitestgehend auszuweichen.

 

Fazit: Unterschätze niemals die Kraft des Wassers. Das Ankämpfen mit der eigenen Muskelkraft gegen das Wasser hat keinen Sinn. Nutze die Kraft des Wassers, wenn die Situation es erlaubt. Vermeide Abschnitte mit vielen Hindernissen, auch Unterwasser. Die Kenntnisse über die Theorie machen dich noch längst nicht zum Experten. Für fundierte Kenntnisse ist eine Menge Erfahrung nötig. Mit der Zeit bekommst du ein Gefühl für das Wasser und die Besonderheiten der unterschiedlichen Strömungen.

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