Feuer machen – 2 Fakten, die fast alle Einsteiger missachten

Glücklicherweise sind die meisten Fakten beim Feuer machen intuitiv. Jedem Menschen ist klar, dass das Feuer von unten nach oben brennt und genügend Sauerstoff benötigt. Trotzdem haben Anfänger, aber auch einige Fortgeschrittene, noch diverse Schwierigkeiten, ein vernünftiges Feuer fürs Lager zu machen.

In diesem Beitrag möchte ich die zwei wichtigsten Fakten aufzeigen, die viele Bushcrafter beim Feuer machen missachten.

Die meisten Menschen verwenden ein Feuerzeug oder Streichhölzer. Wenn du es auch so machen möchtest, dann ist es okay. In diesem Beitrag möchte ich auf diese Hilfsmittel allerdings nicht eingehen, denn erfahrungsgemäß ist das Feuerzeug gerade nass geworden, kaputt oder das Gas ist leer.

Die meisten Bushcrafter verwenden heutzutage einen Stab-ähnlichen Zündstahl bzw. Feuerstahl. Die Bezeichnung ist hier nicht ganz korrekt, denn der Zündstahl besteht nicht aus Stahl, sondern aus Eisen und Mischmetallen, den sogenannten Metallen der seltenen Erden bzw. Rare Earth Elements (REE). Der Name „Zündstahl“ wurde lediglich von dem ursprünglichen Feuerstahl übernommen, mit dem ein Funke aus einem Stück Pyrit geschlagen wurde.

Mithilfe eines kantigen Stahls, wie zum Beispiel dem Rücken eines Messers, wird über den Zündstahl geschabt. Dadurch werden kleinste Späne des Materials abgelöst und durch die Reibung erhitzt. So entsteht ein Funke, der den Zunder entflammt. Klingt bis hierhin erstmal ganz einfach, aber in der Praxis treten genau hier die ersten Probleme auf.

 

Regel Nr. 1: Den richtigen Zunder verwenden

Den folgenden Merksatz solltest du ganz fest abspeichern. Handelsübliches Papier ist kein guter Zunder! Erst recht nicht, wenn du das Papier als ebenes Blatt vor dir legst. Jetzt fragst du dich vielleicht: „Warum nicht? Mit dem Feuerzeug brennt das Blatt Papier doch auch.“ Was mit dem Feuerzeug funktioniert, funktioniert aber nicht zwingend mit einem Zündstahl. Bei einem Feuerzeug ist das Gas sozusagen der Zunder und somit hast du diesen Teil quasi übersprungen. Für einen kleinen Funken ist ein Blatt Papier viel zu dick und zu schwer entzündlich.

Das handelsübliche Blatt Papier ist als Zunder nicht geeignet!

Wenn du ein Feuer mit dem Zündstahl machen möchtest, dann brauchst du einen Zunder, der deutlich feiner und entzündlicher ist als das handelsübliche Papier. Alternativ kannst du ein zerpflücktes Taschentuch, ein zerpflücktes Tampon oder Wattebällchen verwenden. In der Natur wirst du dieses aber nicht so leicht finden.Zunder Birkenrinde (Knäuel)

Der wohl am einfachsten zu findende Zunder ist Birkenrinde. Halte Ausschau nach einer abgestorbenen oder umgefallenen Birke. Die Birke ist erkennbar an der auffällig weißen Rinde. Wenn du die Rinde genau betrachtest, wirst du kleine abstehende Fasern erkennen, die sich sehr leicht abziehen lassen. Du wirst merken, dass diese kleinen Fasern deutlich dünner sind als das handelsübliche Papier. Das macht die Birkenrinde leicht entzündlich. Sammle ein paar Streifen dieser Fasern und forme sie in deiner Hand zu einem Knäuel. Dann hast du guten Zunder.

Zunder Birkenrinde(Tipp bei Regen: Schabe !!vorsichtig!! etwas Material von deinem Zündstahl ab, sodass es auf den Zunder fällt, ohne sich zu entzünden.)

Um die Birke genauer kennenzulernen, kannst du größere Stücke der Birkenrinde verwenden und diese mit den Fingern zerkleinern. Dabei wirst du feststellen, dass die robuste Rinde aus vielen kleinen, hauchdünnen Schichten besteht.

Wichtig: Such dir umgefallene Birken. Davon gibt es im Wald genügend. Lebende Bäume sollst du nicht verletzen.

Schiebe nicht die Schuld auf den Feuerstahl!

Wenn du den falschen Zunder gewählt hast oder den richtigen Zunder falsch verwendest, dann wirst du mit dem Zündstahl nicht erfolgreich sein. Theoretisch kannst du auch kleine trockene Zweige verwenden, aber dann ist dein Zündstahl schneller verbraucht als dir lieb ist. In der Praxis ist der richtige Zunder also fundamental wichtig. Es nützt dann auch nichts, die Schuld auf den Zündstahl oder auf sonst etwas zu schieben. Beachte die oben genannten Tipps und du wirst richtigen Zunder haben und erfolgreich sein.

 

Regel Nr. 2: Die richtige Vorbereitung

Du hast vernünftigen Zunder gesammelt und mithilfe des Zündstahls ein kleines Feuer entfachen können.

Und dann?

Dein kleines Feuer muss „großgezogen“ werden!

Dein kleines Feuer braucht vollste Aufmerksamkeit und wird nach und nach mit den nächstgrößeren Holzstücken „gefüttert“. Wenn du direkt einen dicken Holzscheit auf die kleine Flamme legst, wird dein Feuer ersticken.

Bushcraft - Feuer machen - Verbrennungsdreieck

 

Bevor du deinen Zunder entflammst, stelle sicher, dass du genügend kleines Holz in deiner Reichweite hast. Das Gleiche gilt für mittleres Holz und größeres Holz. Dies alles gehört zu deiner Vorbereitung.

Solange du noch unerfahren bist, sammle so viel Holz, wie du meinst. Wenn du meinst, dass du genug Holz hast, dann geh nochmal los und sammle mindestens die doppelte Menge.

Du findest nur dicke Holzscheite? Die Späne beim Schnitzen sind bestens verwendbar und schnell produziert. Mit einem zum Spalten von Holzscheiten geeignetes Outdoormesser kannst du dicke Äste spalten, um etwas größere Stücke als beim Schnitzen zu erhalten.

Erst dann, wenn du genügend Holz hast, um ein anständiges Feuer zu machen, beginne mit dem Entzünden deines Zunders.

Sobald dein Zunder brennt, legst du die kleinsten Holzstücke hinzu. Sobald diese brennen, legst du die nächst größeren Holzstücke nach. Und so weiter.

 

Ein abschließender Tipp: Trainiere zuerst im eigenen Garten

Nachdem du die hier aufgeführten Informationen gelesen und verstanden hast, hast du den ersten Schritt – die Theorie – verstanden. Jetzt bist du bereit, um im eigenen Garten dieses theoretische Wissen in die Praxis umzusetzen. Achte aufmerksam darauf, was gut und was eher schlecht läuft, um so deine Fähigkeiten weiter zu verbessern. Und denk dran: Übung macht den Meister.

 

P.S. Die schwarze Schicht auf dem Zündstahl, die durch Oxidation entsteht, muss zuerst abgeschabt werden. Ansonsten kannst du keinen Funken erzeugen.

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