Wandern im Harz – Ein verlängertes Wochenende zur Walpurgisnacht

Uns schwant Böses als wir uns am frühen Morgen aufmachen für ein verlängertes Wochenende rund um den 01. Mai zur Walpurgisnacht im Harz. Schlechtes Wetter wurde vorhergesagt für den heutigen Tag. Tiefe Temperaturen nahe am Gefrierpunkt und Dauerregen ab 18 Uhr. Na super.

Sollen wir die komplette Tour abblasen und lieber im warmen Zimmerlein bleiben? Ach was, auf geht’s.

Bisher haben wir Glück mit dem Wetter. Sogar die Sonne kommt raus, während wir unsere erste Wanderung am Teufelsmauerstieg bei Weddersleben in der Nähe von Quedlinburg starten.

Ich hatte schon vorher viel von dieser Teufelsmauer gehört, doch ich selbst war noch nie hier. Und wie so oft im Leben, können die mir bekannten Fotos nicht einmal ansatzweise mit dem faszinierenden Gefühl bei dieser atemberaubenden Atmosphäre umringt von Kirschbäumen mithalten. Einfach der Wahnsinn.

Wandern im Harz - Fabelhafte Aussicht

Da dieser Rundwanderweg an der Teufelsmauer, den wir uns als erstes Etappenziel ausgesucht haben, mit etwa drei Kilometern nicht besonders lang ist, ist er bestens geeignet für eine gemütliche Wanderung am Nachmittag.

Die Teufelsmauer sei angeblich vom Teufel höchstpersönlich errichtet worden. Zumindest dieser Sage zufolge:

Mit großer Sorge sah der Teufel vom Blocksberg (dem Brocken) aus, wie in seinem Reiche Kirchen und Klöster errichtet wurden. Da er befürchtete, hierdurch würde seine Macht gebrochen werden und die heidnischen Opferstätten veröden, beschloss er, eine riesige Mauer um den Harz zu bauen. Sein teuflisches Werk konnte jedoch nur im Schutz der Nacht gelingen und musste bis zum ersten Hahnenschrei vollendet sein.

Schon früh auf den Beinen zum Markt nach Quedlinburg war eine Bäuerin mit ihren Waren und einem Hahn im Korbe auf dem Rücken. Sie war verwundert, als sie auf ihrem gewohnten Wege die gewaltige Mauer erblickte, erschrak und stürzte, als sie den Teufel sah. Ebenso erschrocken war der Hahn im Korb und krähte so laut er konnte.

Der Teufel hörte den Hahnenschrei, glaubte deshalb, dass die Nacht zu Ende sei und zerstörte vor Wut die Mauer.” – Die Teufelsmauersage

  • Wandern im Harz - Teufelsmauer

Ein Unwetter braut sich zusammen und nähert sich rasch.

Gerade noch rechtzeitig am Auto angekommen, gießt es wie aus Eimern. Nein, kein kleiner Schauer, sondern ein monsunartiger Dauerregen, der jeden Weg und jeden Platz, der nicht halbwegs befestigt ist, zur riesigen Matschgrube verwandelt.

Unsere Hoffnungen, dass der Regen nicht allzu lange andauert, werden nach und nach zunichtegemacht. Der Regen hört nicht auf.

Nach einer nassen und kalten Nacht bei etwa 1 bis 2 °C, die wir im Auto verbracht haben, beginnt am nächsten Morgen unsere große Wanderung. Da Janina – du kennst sie von der Kuba-Rundreise – noch nie auf dem Brocken war und ich die Tour schon letztes Jahr äußerst interessant fand, beschließen wir, gemeinsam von Braunlage den Weg über den Goetheweg zum Brocken und anschließend über den Eckerlochstieg nach Schierke zu wandern.

In Summe sind dies knapp 20 Kilometer zzgl. der entsprechenden Höhenmeter. Das sollte für heute reichen.

Zwar weiterhin recht kühl, doch das Wandern hält warm. Und das Wichtigste für heute: Es bleibt trocken und manchmal schafft es die Sonne für ein paar Augenblicke durch die dichte Wolkendecke.

  • Wandern im Harz - Fabelhafte Aussicht vom Brocken

Anders als bei vielen anderen Touren streunen wir dieses Mal nicht in der Wildnis umher, sondern wir sind mit dem Auto und dem Zelt unterwegs und halten überall dort, wo wir ein interessantes Fleckchen Natur entdecken. Da der Harz voll von diesen faszinierenden Fleckchen ist, fällt uns die Suche nicht besonders schwer.

Zur weiteren Freude sind wir nun endlich im Besitz des Wanderpasses der Harzer Wandernadel.

Bei meiner letzten Bushcraft-Tour völlig ohne Planung im vergangenen Jahr war ich tatsächlich etwas sauer, dass ich so viele Stempelstellen entdeckt habe, doch überhaupt nichts damit anfangen konnte. Heute – knapp ein Jahr später – weiß ich bestens Bescheid und kann nun mit dem Sammeln der Stempel auf dem Weg zum Harzer Wanderkaiser beginnen.

Wandern im Harz - Der Wanderpass für die Harzer WandernadelTipp: Den Wanderpass der Harzer Wandernadel kannst du an jeder Touristeninformation in vielen Dörfern und Städten innerhalb des Harzes für 2,50 Euro erwerben. Der Wanderpass ist dein ganzes Leben lang gültig. Es ist also nicht nötig, alle Stempel auf einmal oder innerhalb weniger Monate zu sammeln.

Das Sammeln der Stempel macht nicht nur einen Riesenspaß, sondern sorgt darüber hinaus an vielen Stellen für die nötige Motivation, einen Ort zu erreichen, der ohne Stempelstelle mitunter niemals besucht worden wäre.

So auch bei unserer letzten Station nördlich der Okertalsperre.

Nach der zweiten Nacht im Zelt und der insgesamt dritten und somit letzten Nacht dieser Tour befinden wir uns mit den Gedanken bereits auf dem Heimweg, als wir plötzlich einen kleinen Wanderweg an der Hauptstraße entdecken, der den steilen Abhang hinunter an den Fluss führt. Welch glücklicher Zufall.

Ein wunderschöner Ort zum Wandern, zum Kraxxeln und Klettern über die Steine entlang der Oker.

Nach einigen Minuten entdecken wir eine kleine Insel innerhalb des Flusses, die sogenannte Verlobungsinsel in der Oker, und den sich darauf befindenden Stempelkasten. Doch wie kommen wir dort hin?

Auf der anderen Seite des Ufers führt eine Brücke zu dieser Insel. Doch auf unserer Seite ist weit und breit keine Möglichkeit zu erkennen. Ein Sprung ist zu riskant, weil die moosbewachsenen Steine zu nass und zu glitschig sind. Zu gefährlich.

Aber ich will da rüber.Wandern im Harz - Stempelstelle auf der Verlobungsinsel in der Oker

Also Schuhe aus, Socken aus, Hose hochkrempeln und ab durch das eiskalte Wasser der Oker. Bei einer Außentemperatur weit unter 10 °C und einer Wassertemperatur knapp oberhalb des Gefrierpunkts darf der Marsch durch den Fluss aber nicht allzu lange dauern.

Schon wenige Sekunden im eisigen Wasser sorgen für einen stechenden Schmerz.

Aber der Weg durch das Wasser ist nicht allzu lang. Geschafft.

Endlich drüben und voller Stolz drücken wir den Stempel der “Verlobungsinsel in der Oker” in unseren Wanderpass.

  • Wandern im Harz - Oker

 

Zusammenfassung

Das verlängerte Wochenende rund um den 01. Mai im Harz war großartig. Vier Tage und drei Nächte voll mit wunderschöner Natur und jeder Menge Spaß. Obwohl die Walpurgisnacht durch den Dauerregen sprichwörtlich ins Wasser gefallen ist und die nächtlichen Temperaturen von 1 bis 2 °C für Übernachtungen im Freien nicht zu unterschätzen sind, ist eine Reise in den sagenumwobenen Harz immer wieder lohnenswert.

Obwohl ich gebürtig nicht aus der Region Mitteldeutschlands komme, habe ich auf dem Weg zum Harz jedes Mal das Gefühl als komme ich nach Hause. Und genauso traurig bin ich, wenn ich den Harz wieder verlasse.

Furios, welch wunderbare Wirkung ein Gebirge auf einen Menschen haben kann.

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