2016 – Mein persönlicher Jahresrückblick

Das Jahr 2016 geht zu Ende. Es war das Jahr des Sich-Alles-Erlauben-Könnens. Positiv sowie negativ, national sowie international, direkt sowie indirekt, politisch sowie wirtschaftlich und bewusst sowie unbewusst.

Unter anderem haben sich die Briten erlaubt, für einen Austritt aus der EU zu stimmen, und die Amis haben sich erlaubt, einen ausländer- und frauenfeindlichen Präsidenten zu wählen.

Das stimmt mich sehr traurig.

Denn was haben all diese Erlaubnisse und folgenschweren Entscheidungen gemeinsam: Sie sind allesamt emotional getroffen. Getrieben durch Angst, einer Menge Leid, den Wunsch nach Veränderung, ohne aber sich selbst dafür in Verantwortung zu sehen, sondern stattdessen lieber andere Menschen vorzuschicken, scheint – nicht zuletzt durch die Medien bestärkt – die Emotionalität die Oberhand zu gewinnen und jegliche rationale Entscheidungsfindung, in der Vor- und Nachteile gegeneinander abgewogen werden, gänzlich zu ignorieren.

Selbstverständlich hat die Europäische Union viele Nachteile. Eine Aushebelung auf Landesebene längst beschlossener Gesetze oder eine gemeinsame Währung, bei der wirtschaftlich schwächere Staaten mitgezogen werden, sind hierbei nur zwei Beispiele. Der Gedanke, über den Austritt aus der EU nachzudenken, ist dabei naheliegend und sogar nachvollziehbar – allerdings sind Schlussfolgerungen erst sinnvoll, wenn sämtliche Vor- und Nachteile betrachtet werden und der individuelle Mensch nicht nur emotional und voller Wut zu einer sofortigen Veränderung drängt. Wer sich hier erlaubt, sich rationale Gedanken zu machen, wird feststellen, dass sich neben vielen Nachteilen auch viele Vorteile finden lassen.

Selbstverständlich hat auch die US-Präsidentschaftswahl eines Trumps seine Vorteile. Mit viel Gutglauben – sofern vorherige Wahlversprechen eingehalten werden und/oder sich umsetzen lassen – kann insbesondere die amerikanische Arbeiterschicht aufatmen. Dass jedoch bei den Wählern der eigene Nutzen im Vordergrund steht und die Diskriminierung von Frauen, Ausländern und anderen Nationen außer Acht bleiben, bestätigt einmal mehr, dass das Denken des “Nach mir die Sintflut” sehr tief in den Köpfen (fest-) sitzt.

Das stimmt mich sehr traurig.

Aber wären internationale Themen in der Politik nicht schon schlimm genug – da gibt es ja noch jene im eigenen Land.

Pünktlich zur Weihnachtszeit, die zwar für Liebe und Besinnlichkeit stehen soll, dominiert ein Thema sämtliche Nachrichten:
Ein Tunesier hat sich erlaubt, einen LKW in die Besucher eines Weihnachtsmarktes zu manövrieren.

Bei aller Tragik, Traurigkeit und Betroffenheit, die diese Aktion ohnehin mit sich bringt, verstört mich einerseits, mit welchem Hass in den sozialen Medien um sich geworfen und nach einem Schuldigen höherer Ebenen gesucht wird, und andererseits, dass und in welchem Maße eine Aktion im eigenen Land, jegliche andere Probleme dieser Welt vergessen lässt.
Globaler Klimawandel, massenweise Sterben bedrohter Tierarten, Unmengen an Plastikmüll und stets anhaltende Kämpfe in Syrien – all das scheint vergessen, wenn der Terror auch in Deutschland angekommen ist. Da nörgelt der betroffene Bürger “man müsse ja jetzt sogar schon auf dem Weihnachtsmarkt Angst haben”, während die Menschen in Aleppo nichtmal wissen, ob sie morgen noch leben.

Das stimmt mich sehr traurig.

Aber wären die politischen Themen nicht schon schlimm genug – da gibt es ja noch jene im Alltag.

Zugegebenermaßen wollte ich das vorherige Jahr (2015) als das “vegane Jahr” küren. Beim Nachdenken über das Jahr 2016 hätte ich dieses allerdings ebenfalls als das “vegane Jahr” küren können. Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass 2015 noch der veganen Aufklärung diente, um sich bewusster und gesünder zu ernähren, und 2016 das Jahr ist, in dem die Produktionsfirmen allerhand vegane Produkte kreieren und der gutgläubige Bürger diese für viel Geld konsumiert.

Eine gute Freundin erzählte mir vor Kurzem, dass sich einer ihrer Bekannten erlaubte, mit einer sogenannten “veganen Grillbox” zur Gartenparty zu kommen. Inhalt dieser Box: eine Tomate, eine Paprika und ein Maiskolben. Preis dieser Box: 4,- Euro …

Ernsthaft? Eine Tomate, eine Paprika und ein Maiskolben kosten an der Gemüsetheke im Supermarkt in Summe nichtmal die Hälfte dieses Preises. Und der Hinweis auf der Verpackung, dass diese Produkte vegan sind, ist völlig fehl am Platz, denn sie sind IMMER vegan. Veganer und rohköstlicher Käse – okay. Veganer und rohköstlicher Joghurt – okay. Aber veganes Obst und Gemüse teurer zu verkaufen als “normales” Obst und Gemüse, übertrifft nicht nur jegliche Dreistigkeit, sondern bestätigt dabei den überzeugten Fleischesser, die Finger von veganen Produkten zu lassen.

Aber viel verstörender als überteuerte und sinnbefreite Produkte empfinde ich die Tatsache, dass sich der besagte Grillpartybesucher erlaubt, sein eigenes Denken so zu manipulieren, sodass er fest davon überzeugt ist, sich und seinem Körper mit der veganen Grillbox etwas Gutes zu tun, weil er endlich auf seine Ernährung achtet und gesündere Lebensmittel zu sich nimmt.

Das stimmt mich sehr traurig.

Doch bei all den Problemen in der Politik, der Weltwirtschaft, des Alltags und der eigenen Gedankenwelt, in der wir viele der aktuellen Situationen reflektieren – da gibt es noch jenen Fakt, den wir niemals vergessen sollten: Unser Leben geht weiter und wir treffen jeden Tag die Entscheidung, ob wir unseren persönlichen Lebensweg glücklich oder unglücklich bestreiten.

Okay, da kommt also ein Trump – wer weiß, was da noch kommen mag.
Okay, da treten England und möglicherweise weitere Länder aus der EU aus – wer weiß, was da noch kommen mag.
Okay, erste Anschläge auch in Deutschland – wer weiß, was da noch kommen mag.
Okay, weiterhin unsinnige Produkte auf dem Markt – wer weiß, was da noch kommen mag.

Aber egal, was da kommt. Ich weiß, dass ich meinen Lebensweg weiter voranschreiten werde. Sowohl bei Hindernissen als auch bei Rückschlägen und dabei stets positiv denkend.

Wir können das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen. Die Probleme dieses Planeten sind real. Doch wer meint, dass “die da oben” jegliche Probleme lösen und wir einfach nur abwarten können, wird irgendwann feststellen müssen, dass sich niemals etwas ändern wird.

Die Wurzel allen Übels ist immer das Leid – in all seiner Variation. Und ich erlaube mir, dieses Leid individuell zu minimieren und weiterhin die glücklichen Momente des Lebens in den Fokus zu rücken. Die pure Schönheit der Natur, die entspannte Stimmung des Sonnenuntergangs, die tiefe Freude des Verreisens und die besondere Energie, all diese fantastischen Momente mit anderen Reisenden, Freunden und Verwandten zu teilen.

Das Leben ist schön und so soll es auch bleiben. Sowohl für mich als auch meine (noch nicht geborenen) Enkelkinder.

Ich wünsche euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr 2017. Bleibt gesund und genießt das Leben.

Euer Tobi

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