Jubiläum: 3 Jahre Treat of Freedom

Es ist unglaublich, wie schnell manchmal die Zeit vergeht. Ich selbst sehe mich immer noch als frischgebackenen Blogger und YouTuber – quasi als Neuling – und doch sitze ich hier vor meinem Laptop und schreibe den Artikel zum dreijährigen Jubiläum. Wahnsinn!!

Und wieder einmal ist innerhalb eines Jahres viel passiert. Wenngleich ich der Meinung bin, stets in der Gegenwart zu leben, liebe ich die wenigen Momente und Minuten, in denen ich zurückblicke und das vergangene Jahr Revue passieren lasse.

Denn jedes Problem, für das eine Lösung gefunden werden musste, jede schwierige Situation, die mitunter immenses Leid mit sich brachte, ist heute eine Erfahrung, aus der enorm viel gelernt werden kann.

Ich blicke zurück auf ein tolles Jahr mit vielen schönen Momenten und doch gab es einige Passagen, die wahrhaftig oder auch durch fälschliche Fehlinterpretationen zu negativen Emotionen führten.

Die dominierenden Emotionen der vergangenen Monate entstanden aber zweifelsohne in der Zeit hier in Malaysia.

 

Schon wieder Malaysia – warum denn das?

Manchmal ergeben sich seltsame Gelegenheiten. Einige sind verlockend, andere tückisch und wieder andere eröffnen einem unzählige Möglichkeiten, den eigenen Horizont zu erweitern und über den Tellerrand zu schauen.

Darüber hinaus ist es als Blogger manchmal nicht leicht, Destinationen zu finden, die für mich persönlich, aber gleichzeitig auch für die Leser des Blogs und/oder die Zuschauer des YouTube-Kanals von Interesse sind.

So auch die Destination Malaysia in Südostasien.

Im letzten Jahr 2016 habe ich eine 43-tägige Staffel im Tagebuchformat gedreht, in dem ich all meine Erfahrungen und Aktivitäten zeige, die ich bei meiner Rundreise in Malaysia gemacht und erlebt habe. Einerseits, um zu inspirieren, andererseits, um zu zeigen, wie eine individuelle Rundreise ohne Guide und ohne vorherige Buchungen aussehen kann – sowohl mit den guten als auch mit den eher schwierigeren Momenten.

Nach der Pilgerreise auf dem Jakobsweg im Sommer 2015 und eben dieser Rundreise in Malaysia 2016 soll allein der Abwechslung halber im Jahr 2017 eine Staffel folgen, die sich thematisch von einer Rund- oder Pilgerreise unterscheidet.

Dann aber kam die Nachricht meines Kumpels Boon, einem einheimischen Hostelbesitzer in Malaysia, den ich bei meiner Rundreise 2016 kennengelernt habe. Da sein aktueller Pachtvertrag des Grundstücks im Mai 2017 ausläuft und er das Hostel verlassen muss, möchte er auf einem neuen Grundstück für sich und seine Familie ein neues Haus bauen und dies sukzessive um weitere Chalets zur Vermietung erweitern. Für dieses Projekt braucht er (günstige) Helfer, die ihn dabei tatkräftig und zuverlässig unterstützen. Professionelle Arbeiter kommen finanziell nicht in Frage, daher sucht er nach Freiwilligen (Volunteers), die im Tausch gegen Unterkunft und Nahrungsmittel beim Bau dieses Hauses helfen.

Ich zögerte zuerst, da dies bedeutet, dass ich mindestens 3 bis 4 Monate unterwegs sein werde, Freunde und Familie in Deutschland zurücklasse und der YouTube-Kanal für eine lange Zeit brachliegen wird, da die nächste Staffel voraussichtlich erst im Sommer 2017 gedreht werden kann. Wenn überhaupt …

Ein weiser Mann sagte mir aber einst, dass sich manche Gelegenheiten nur einmal im Leben ergeben und es deshalb umso wichtiger ist, diese zu ergreifen. Denn neben den Nachteilen gibt es natürlich eine Menge Vorteile.

Malaysia, Cherating, Dschungel, Papaya

 

Einzigartige Atmosphäre in Cherating

Cherating gehört (noch) zu den absoluten Geheimtipps bei einer Rundreise in Malaysia. Insbesondere die Kolonialstadt Georgetown auf Penang, die Teeplantagen der Cameron Highlands sowie die Inseln Langkawi, Tioman und die Perhentians sind bei den Backpackern deutlich populärer und dementsprechend lebhafter. Cherating hingegen ist eher verschlafen, sehr ruhig und familiär. Vergleichsweise wenige Touristen, darunter größtenteils Surfer und Low-Budget-Backpacker, bevorzugen diese Ruhe und Friedlichkeit des Dorfes zwischen Dschungel und Meer.Malaysia, Cherating, Lilo's Travelers Home, Chalet

Und exakt dieses Dörfchen ist bereits seit Mitte Januar mein neues “Zuhause”.

Kein Luxus, sondern eine einfache Hütte. Kein warmes Wasser und nur selten eine stabile Internetverbindung. Kein TV, sondern nur die lebensnotwendigen Grundbedürfnisse. Dazu ein kleiner Tisch für meinen Laptop, um meine persönlichen Projekte mit Treat of Freedom nicht aus den Augen zu verlieren.

Ich lebe hier in der “Cherating-Familie” zusammen mit den Einheimischen und anderen Volunteers. Dazu die regelmäßig wechselnden Reisenden. All das in einem sehr harmonischen und liebevollen Umgang.

 

Handwerkliche Fähigkeiten beim Hausbau

Die meiste Zeit meines Lebens habe ich am Computer gearbeitet. In den Bereichen Informatik und Marketing sowie beim Bloggen und Schneiden von YouTube-Videos spielt die kreative Kopfarbeit die entscheidende Rolle. Handwerkliche Fähigkeiten habe ich im Alltag nur selten gebraucht. Der Bau eines Hauses und die damit verbundene körperliche Arbeit sind dementsprechend nicht nur eine neue Herausforderung, sondern auch eine neue Erfahrung.

Des Weiteren ist Boon sehr naturverbunden und ähnlich minimalistisch eingestellt wie ich – daher wohl auch die enge Bindung. Sein Haus wird kein “normales” oder gewöhnliches Haus, sondern ein Minihaus mit Solaranlage, Regenwasseraufbereitung, Komposttoilette und Vielem mehr. Dieser umweltbewusste Ansatz inklusive eines sehr engen Gesamtbudgets erweitert mein Interesse um ein Vielfaches.

Malaysia, Cherating, Solaranlage

 

Erfahrungen fürs langfristige Leben im Hostel

Eine ebenfalls sehr interessante Erfahrung ist, nicht nur als Gast in einem Hostel zu übernachten und nach wenigen Tagen weiter zu ziehen, sondern für mehrere Monate in einem Hostel zu wohnen.

Regelmäßig neue Besucher, neue Denkweisen und neue Freundschaften aus aller Welt gehören zum alltäglichen Leben. Die Zeit zeigt, dass ich aufgrund meiner Offen- und Aufgeschlossenheit in der Lage bin, diese Situation zu händeln. Dennoch habe ich unter anderem bei meinem Visa-Run nach Thailand bemerkt, dass ich in regelmäßigen Abständen einen Tapetenwechsel benötige.

 

Intensive und langfristige Eindrücke der Kultur, der Religion und der Menschen

Malaysia ist ein hauptsächlich muslimisch geprägtes Land mit vielen unterschiedlichen Einflüssen. Englische Einflüsse aus der Kolonialzeit sowie indische Einflüsse kombiniert mit dem Hinduismus und chinesische Einflüsse kombiniert mit dem Buddhismus runden den Gesamteindruck Malaysias ab.

Ein kurzfristiger Aufenthalt innerhalb eines Ortes offenbart in der Regel nur die oberflächlichen Eindrücke und Umstände. Der langfristige Aufenthalt zeigt hingegen, wie die Menschen hier wirklich sind, wie sie alltägliche Probleme bewältigen und wie sie mit anderen Menschen umgehen, wenn es gerade mal nicht so läuft wie gewünscht.

Sozusagen ein Blick hinter die Kulissen. Ein Blick in den wahren Charakter der Menschen, wenn die manchmal übertriebene Freundlichkeit gegenüber potenziellen Kunden nachlässt.

 

Leben zwischen Dschungel und Meer

Ich selbst komme aus einem kleinen Dorf mit vielen Feldern, Wiesen und Wäldern. Ein Leben in der Großstadt kenne ich nur während meiner Studienzeit in Göttingen. Doch selbst Göttingen ist mit etwa 135.000 Einwohnern noch längst keine Metropole und wird möglicherweise zum Beispiel von einem Berliner nicht einmal als Großstadt bezeichnet.

Ich kenne also das Leben im Dorf, aber neu ist definitiv das Leben in einem Dorf zwischen Dschungel und Meer. Schwimmen und planschen in den Wellen sowie das einfache Faulenzen am Strand gehören genauso zu den Freizeitaktivitäten wie Wandern, Fahrradfahren und einfach mal mit den Kumpels “abzuhängen”.

Malaysia, Cherating, Hängematte,

 

Erweiterung der englischen Sprachkenntnisse

Ein weiterer Vorteil ist selbstverständlich, täglich mit der englischen Sprache konfrontiert zu werden. Deutsch sprechen hier – wenn überhaupt – nur andere Reisende aus Deutschland oder Österreich. In den vergangenen Monaten ist demnach die englische Sprache zu meiner “normalen” Sprache geworden und dies führt zwangsläufig zur weiteren Verbesserung.

Hinzu kommen dabei eine Menge Worte, die beim Hausbau dazugehören, wie Werkzeuge, Materialien und handwerkliche Tätigkeiten.

 

Time to Say Goodbye – mein Abschied aus Malaysia

Das Leben steckt voller Überraschungen, Risiken und Möglichkeiten innerhalb unterschiedlicher Lebensabschnitte.

Jeder Tag ist ein Tag unserer kostbaren Lebenszeit. Unabhängig davon wie ich rückblickend meine Zeit in Malaysia bewerten werde – Fakt ist, dass ich jeden Tag neue Erfahrungen mache, die ich genießen und wertschätzen möchte.

Zugegebenermaßen fällt es mir in exakt diesem Moment, während ich diese Zeilen schreibe, enorm schwer.

Ich muss mich selbst dazu zwingen, das Positive in der aktuellen Situation zu sehen. Förmlich forcieren, meine eigenen Tugenden und Werte, die ich in den YouTube-Videos weitergeben möchte, bei mir selbst anzuwenden.

Heute – am Tag des dreijährigen Jubiläums von Treat of Freedom – ist der 5. Mai 2017, was bedeutet, dass ich seit über 3,5 Monaten als Volunteer in Malaysia helfe. Die im Voraus geplante Dauer von etwa 3 bis 4 Monaten kommt nun allmählich zu einem Ende. Möglicherweise aber ohne Happy End.

Es ist nahezu egal, ob ich heute, morgen oder in drei Wochen abreise, denn es steht bereits fest, dass wir das Haus selbst bis Juni nicht fertiggestellt haben werden.

Ich bin hier, um neue Erfahrungen zu machen – handwerkliche Fähigkeiten, leben in einem Hostel zwischen Dschungel und Meer innerhalb einer anderen Kultur, etc pp.

Doch am Ende wird die größte Erfahrung sein, eine unbefriedigende Situation zu überstehen, bei der ich eine Familie im Stich lasse, die aufgrund anderer Projekte und Alternativen nicht gewillt und/oder motiviert ist, das ursprüngliche Projekt “Hausbau” zeitnah fertigzustellen.

Doch am Ende wird trotzdem alles gut. Und zwar so, wie es sein soll … ganz sicher.

 

***

 

Statistiken

Zum Abschluss wie immer ein paar Kennzahlen über Treat of Freedom innerhalb des vergangenen Jahres.

29.893 einzigartige Besucher
134.174 aufgerufene Seiten
2.511 Fans auf Facebook
1.084 Follower auf YouTube

Meistgelesene Artikel:

  1. Tagebuch: Low-Budget Rundreise auf Kuba
  2. Kuba Reisetipps
  3. Wandern auf Kuba
  4. Meine Ausrüstung
  5. Bushcraft für Anfänger

Meistgesehene Videos:

  1. Jakobsweg, Tag 17: Tagesbudget
  2. Jakobsweg, Tag 27: Unterschiede zu Hape Kerkelings Pilgerreise
  3. Jakobsweg, Tag 39: Meine Ausrüstung
  4. Jakobsweg, Tag 1: Einführung
  5. Jakobsweg, Tag 2: Anreisemöglichkeiten

 

Schlusswort

Auch in diesem Jahr möchte ich mich wieder bei allen Lesern und Zuschauern bedanken! Ihr seid großartig!

Ebenfalls bedanken möchte ich mich bei allen Kommentaren, Fragen und E-Mails, die ihr mir im Laufe dieses Jahres geschrieben habt. Einige Gespräche hatten sehr viel Tiefe, was mich des Öfteren sehr berührt hat und mir abermals darin bestätigt, dass es auch in der heutigen Zeit noch gute Menschen gibt, denen die Zukunft unseres Planeten, unserer Kinder, unseres eigenen Lebens und auch unserer Mitmenschen sehr am Herzen liegen.

Gleichzeitig möchte ich sagen, dass es mir sehr Leid tut, dass ich derzeit nicht besonders viele Neuigkeiten veröffentliche – leider weder hier, noch auf YouTube. Ich hoffe, dass ich diese Rate der Veröffentlichungen in den nächsten Wochen und Monaten wieder erhöhen kann. Scheinbar sind dies die temporären Folgen, wenn man einen Blog sowie YouTube-Kanal alleine führt – ganz ohne Fake, ohne nervige Werbung und wenn Werbung, dann nur von Produkten, die ich mit voller Überzeugung weiterempfehlen kann.

Falls noch nicht entdeckt, verweise ich an dieser Stelle nochmals auf den Facebook-Channel. Hier gibt es monatliche Updates sowie das ein oder andere Foto.
Der Link: https://www.facebook.com/treatoffreedom

Nochmals vielen Dank und bis demnächst,

Tobi

2 Comments Jubiläum: 3 Jahre Treat of Freedom

  1. Annika Berster 5. Mai 2017 at 19:51

    Lieber Tobi, nun noch einmal heute auf den Punkt ein Gruß und mein Glückwunsch. Ich hoffe, meine Email ist angekommen und meine Wünsche für dich. Auch wenn es nicht Binder leicht ist, so liegt in jedem Moment die Kraft etwas einzigartiges zu sein. Werd nicht müde so zu sein wie du bist
    Von ganzem Herzen

    Annika

    Reply
    1. Tobi 7. Mai 2017 at 11:13

      Hi Annika,
      ja, die E-Mail ist angekommen und ich habe es sehr genossen, sie zu lesen.
      Vielen Dank für all deine Worte, die du mir in den letzten Tagen geschrieben hast! Sie geben mir sehr viel Kraft in derzeit etwas schwierigen Tagen.

      Liebe Grüße und mögest auch du so bleiben, wie du bist,
      Tobi

      Reply

Leave A Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.