Warum ein Wald auch in der Nacht nicht unheimlich ist

Auch in diesem Beitrag geht es um ein Thema, bei dem uns das Gehirn durch das Denken in unserer Gesellschaft einen Streich spielt. Diesmal geht es um eine Übernachtung im Wald.

Erst vor ein paar Tagen habe ich wieder zwei sehr nette Menschen kennengelernt, die es nicht glauben konnten, dass es tatsächlich möglich ist, eine Nacht ganz alleine im Wald zu verbringen. „Da könne ja sonstwer rumlaufen…“

Mal ehrlich: Welcher Mensch mit kriminellen Hintergründen treibt sich nachts im Wald herum? Und damit meine ich nicht den Stadtpark mit 10 Bäumen, sondern zum Beispiel die Wälder im Gebirge. Wenn man dort überhaupt andere Menschen trifft, dann sind dies Wanderer, Mountainbiker oder andere friedfertige Mitmenschen, die sehr wahrscheinlich genauso wie du die Natur genießen möchten. Die mysteriösen Horrorszenarien, die sich leider in unsere Gesellschaft geschlichen haben, haben ihren Ursprung eher in irgendwelchen Filmen. Und ein Film ist nunmal nicht die Realität.

 

Keine Angst vor Tieren

Raubtiere wie Tiger, Löwen und Krokodile wirst du in den europäischen Wäldern nicht finden. Ganz nebenbei steht der Mensch auch bei diesen Tieren auf dem Speiseplan nicht an erster Stelle. Europäische Raubtiere wie Wölfe, Luchse und Schakale sind scheue Tiere, die den Menschen aus dem Weg gehen und sich von Nagetieren, kleinen Huftieren und Insekten ernähren. Auch die anderen Tiere werden dich meiden. Tiere haben deutlich bessere Sinne als wir Menschen. Dementsprechend werden sie dich bereits viel früher wahrnehmen und flüchten, bevor du überhaupt eines zu Gesicht bekommst. Dein Geruch und deine Lautstärke werden dich verraten. Im Grunde genommen ist es eher ein Erfolg, ein Tier in freier Wildbahn zu entdecken. Dafür sind aber gewisse Anpirschfertigkeiten notwendig.

Vorsicht ist bei Wildschweinen geboten. Eine Mutter wird ihre Frischlinge mit ihrem Leben verteidigen. Solltest du zufällig bzw. aus Unachtsamkeit eine Wildschweinmutter, auch Bache genannt, mit Jungtieren entdecken, dann entferne dich vorsichtig, aber zügig in die entgegengesetzte Richtung.

 

Es ist dunkel und du hörst es knacken

Wenn du das Knacken von Zweigen oder Ästen hörst, erzeugt dein Gehirn automatisch ein Gefühl der Angst. Doch diese Angst ist unbegründet. Dein Gehirn spielt dir auch hier nur einen Streich. Der Grund für das Knacken ist ein abgebrochener Ast, weil er abgestorben und vertrocknet ist. Starker Wind sorgt ebenfalls für das Abbrechen von Ästen. Im Übrigen passiert dies auch tagsüber, aber in der Nacht nimmst du es selbst viel lauter wahr.

Aber keine Sorge: Mit der Zeit wirst du dich an den Wald und seine Geräusche gewöhnen. Und dann bildet sich dein Gehirn auch nicht mehr irgendwelche Dinge ein.

 

Allerdings gibt es auch in Wäldern gewisse Dinge, die du beachten musst:

  • Immer genügend Trinkwasser parat haben
  • Nicht unter großen Ästen, die herunterfallen könnten, nächtigen
  • Auf Feuer entweder ganz verzichten oder vor dem Schlafen löschen
  • Eine isolierende Schicht zwischen Körper und Boden anbringen, insbesondere bei kalten Nächten
  • Keinen Müll rumliegen lassen
  • Den Ort so verlassen wie du ihn angetroffen hast
  • Insgesamt ruhig verhalten, um Tiere nicht unnötig zu belästigen

2 Comments Warum ein Wald auch in der Nacht nicht unheimlich ist

  1. Daniel Russ 27. März 2017 at 23:10

    Danke Tobi,
    ich bin letztens mal am Abend mit dem Fahrrad zum Wald gefahren und teils ohne Licht hineingelaufen. Wow, was da für Sinnes-wahrnehmungen sind. Und so einige Ängste hochkommen. Natürlich, ist es logisch folgerichtig herleitbar, vor allem wenn wir Naturgesetze und zusammenhängenden Kreisläufe kennen, das im Grunde alle Ängste un-be-gründet sind, jedefalls meine. Du hast ja schon ein paar genannt. Ein zweiter Punkt ist, dass wir einfach etwas anderes gewöhnt sind.
    Irgendwann bin ich umgedreht und noch am Waldrand stehen geblieben, inne gehalten. Irgendwann kamen Schreie aus dem Wald( naheliegend Wildschweine oder Vögel). Ich machte meine Stirnlampe an und da kamen zwei kleine erleuchtete Augen auf mich zu( gehüpft). Es schien ein Ratte zu sein, die geflüchtet ist( es hätte auch ein Hase sein können, ein Katze wohl eher nicht). Mein Herz fing an schneller zu schlagen und wie das Tier weiter auf mich zukam, war es mir genug. Ich machte Laute und haute ab. Schon interessant, wie wir vor so etwas Kleinem Angst haben können( und ich bin schon öfters Ratten begegnet).

    Ich bin sehr dankbar, es mal gemacht zu haben und werde Schritt für Schritt mich dahin orientieren auch mal alleine im Wald und Wiese zu nächtigen( zusammen mit anderen schon getan, aber das ist was anderes).

    Was mir auch noch bewusst wurde, was Feuer eine Wirkung auf unsere Psyche( Welt unserer Gedanken und Gefühle) haben kann. Manche machen sich einen Speer, einfach so, zur beruhigung, auch wenn sie wissen, dass sie ihn nicht brauchen werden.

    Liebe Grüße

    Daniel

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    1. Tobi 28. März 2017 at 9:39

      Hi Daniel,
      super Kommentar! Vielen Dank dafür!
      Es hört sich ganz so an, als wenn du wirklich großartige Erfahrungen gemacht hast und noch machen wirst. Die Natur hat so viel zu bieten.
      Ich wünsche dir dabei alles Gute und jede Menge Spaß!

      Liebe Grüße.
      Tobi

      Reply

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