Wie Pilgern den persönlichen Lebensstandard erhöhen kann

Geld regiert die Welt. Eine so winzige Redewendung, die jedoch nicht nur auf die Politik, sondern genauso auf unsere eigene Psyche übertragbar ist. Es scheint ganz normal zu sein, täglich dem Geld hinterherzujagen, um sich „tolle Dinge“ kaufen zu können.

Materielle Dinge.

Dinge, die ihren Wert schnell wieder verlieren und des Öfteren in den eigenen vier Wänden als Staubfänger dienen. Sollte eines der Dinge doch regelmäßig benutzt werden, dann nicht selten als Statussymbol, um den persönlichen Wert oder zumindest das Selbstwertgefühl zu steigern.

Unterm Strich recht wenig Gegenwert dafür, dass man jeden Tag arbeiten geht, oder?

 

Der Weg zum Minimalismus

Meiner Meinung nach sollte sich jeder Mensch bewusst machen, dass jedes der Gegenstände, die gekauft wurden und irgendwo Zuhause herumstehen, irgendwann einmal Geld gekostet haben. Geld, für das zuvor gearbeitet werden und kostbare Lebenszeit aufgeopfert werden musste.

Wären all diese Gegenstände zum Leben wichtig, könnte tatsächlich von einem fairen Tausch von Geld und Lebenszeit gesprochen werden. Aber: Dieser Tausch ist nicht fair!

Allerdings lautet die gute Nachricht, dass wir selbst entscheiden können, ob wir diesen Tausch weiterhin eingehen wollen. Jeder Mensch entscheidet selbst, ob er oder sie die Ware X oder Y kauft oder nicht kauft und darauf verzichtet.

Selbstverständlich will ein Mensch nicht grundsätzlich auf ALLES verzichten, aber bei jedem Kauf kann darüber nachgedacht werden, ob dieser Kauf tatsächlich vonnöten ist, eine Notwendigkeit besteht oder zumindest unser Leben in einer gewissen Art und Weise verbessert – ohne allerdings als der zuvor erwähnte Staubfänger zu dienen. So entsteht nach und nach ein bewusstes Einkaufen.

 

Was bedeutet Minimalismus?

Wenn ich mich mit Menschen unterhalte, die mit dem Begriff “Minimalismus” bzw. dem Leben im Einklang des Minimalismus nicht vertraut sind, sieht die erste Reaktion in der Regel so aus, dass ein minimalistisches Leben eine Einschränkung sei. Eine Einschränkung des eigenen Ichs, eine Einschränkung des eigenen Wertes gegenüber sich selbst und auch anderen Menschen oder kurz: Wer minimalistisch lebt, reduziert seinen Lebensstandard.

Bei vielen Menschen klingt der Begriff “Minimalismus” zuerst negativ. In der Mathematik haben wir gelernt, dass etwas, was minimal ist, eine untere Grenze darstellt und niedriger ist als alles andere. Eine untere Grenze erzeugt in unserem Kopf ein Bild von Schlechtheit, etwas mit nur geringem Wert, etwas Minderwertiges, was noch verbessert werden kann. Und schon ist unser innerer Instinkt geweckt, dieses Etwas zu optimieren, zu vergrößern und im Wert steigen zu lassen.

Kommt dir bekannt vor, oder? Tatsächlich würde dies stimmen. Aber nur, wenn von einem Minimum oder etwas, das minimal ist, gesprochen wird.

Es geht aber nicht um ein Minimum, sondern um den Minimalismus. Diese entscheidende Endsilbe (Suffix) sorgt dafür, dass nicht von einer mathematisch unteren Grenze gesprochen wird, sondern von einer Lehre, einer Bewegung, einer inneren Grundeinstellung, die unser Leben nicht im Wert verringern, sondern gewaltig steigern kann.

Zugegebenermaßen ist das Thema rund um einen minimalistischen Lebensstil sehr komplex und würde jeden Rahmen dieses Artikels sprengen. Mit einigen simplen Beispielen über “Kleidung” möchte ich versuchen, dir den Minimalismus möglichst präzise nahezulegen:

1) Person A verzichtet in seinem Leben auf neue, teure Markenkleidung und kauft ausschließlich günstige, gebrauchte Kleidung aus dem Second Hand Shop. Sobald diese Kleidung vollends aufgetragen ist und selbst nach mehrmaligen Reparaturen auseinander zu fallen droht, kommt diese Kleidung in den Müll und weitere Kleidung aus dem Second Hand Shop wird gekauft.

Dieses Verhalten ist minimalistisch! Denn diese Person A investiert nicht in teure Markenprodukte, nutzt die maximale (!!) Lebensdauer der Kleidungsstücke und verringert seinen Konsum bzw. seine Geldausgaben.

2) Person B kauft wenige, dafür aber neue, teure und hochwertige (Marken-) Kleidung, allerdings nur exakt je ein Kleidungsstück pro Körperteil und trägt diese Kleidung – genauso wie Person A – bis sie selbst nach mehrmaligen Reparaturen vollends aufgetragen ist.

Dieses Verhalten ist ebenfalls minimalistisch! Denn diese Person B nutzt die maximale Lebensdauer der Kleidungsstücke und verringert seinen Konsum bzw. seine Geldausgaben.

Lediglich der Anfangspreis und die Gesamtspanne der Lebenszeit unterscheiden sich zwischen Person A und Person B. Erstere Person investiert weniger Geld, bekommt dafür weniger Qualität, zweitere Person investiert mehr Geld zu Beginn, erhält dadurch aber hochwertigere Produkte. Dies entspricht einem bewussten Konsum in Richtung Qualität statt Quantität. Beide Beispiele entsprechen einem minimalistischen Lebensstil – ohne maßlosem Konsum.

 

Was Minimalismus nicht bedeutet

Wie an diesen zwei Beispielen erkennbar ist, hat eine minimalistische Lebenseinstellung wenig mit Einschränkung zu tun oder damit, seinen persönlichen Lebensstandard auf ein Minimum zu reduzieren.

Vielmehr steht ein bewusster Konsum im Vordergrund.

Mithilfe dieses bewussten Konsums wird nicht nur Platz im Kleiderschrank gespart, weil “sinnlose” Kleidungsstücke, die ohnehin nicht mehr angezogen werden, der Vergangenheit angehören, sondern auch haufenweise Geld übrig bleibt, welches für die wirklich wichtigen Dinge im Leben ausgegeben werden kann.

Selbstverständlich ist diese Lebens- und Denkweise nicht nur auf Kleidung anwendbar. Jeder Bereich des Lebens kann konsummäßig überdacht und optimiert werden. Ein minimalistisches Leben führt somit nicht zu einem minimalen Leben, sondern möglicherweise zu einem maximalen Leben.

 

Pilgern ist Minimalismus

Vollgestopfte Kleiderschränke, überfrachtete Abstellräume, massenhaft ungenutzte Küchenutensilien und eingestaubte Elektronikgeräte – so in etwa sehen viele Haushalte von heute aus.

Auf Reisen und insbesondere beim Pilgern fällt all dies weg, denn jeder Gegenstand, der mitgenommen wird, muss mühsam auf dem Rücken getragen werden – mehrere Hundert Kilometer.Dementsprechend wird nur das Allernötigste mitgenommen, um das zu tragende Gewicht so gering wie möglich zu halten.

Zwei paar Hosen, zwei T-Shirts, Unterwäsche, Kopfbedeckung, Hygieneartikel und ggf. Flip Flops – viel mehr wird bei einer Pilgerreise nicht benötigt. Und es reicht.

Schau dir gerne meine Ausrüstung an. Einige dieser Gegenstände waren bei meiner persönlichen Pilgerreise dabei.

 

Nimm deine Erkenntnisse mit nach Hause

Während einer Pilgerreise kann es sein, dass der Pilger zu der Erkenntnis gelangt, diesen ganzen Konsum, wie er in Deutschland und weltweit nahezu allgegenwärtig ist, überhaupt nicht zu brauchen. Der Mensch benötigt nicht viel zum Leben.

Leider werden diese Erkenntnisse nach einer Pilgerreise und der Ankunft in den eigenen vier Wänden schnell wieder vergessen. Doch dies muss nicht sein. Es ist durchaus möglich, all die Erkenntnisse, die beim Pilgern gewonnen wurden, in den Alltag zu integrieren und sein eigenes Konsumverhalten umzukrempeln.

Das Gute daran: Es ist gar nicht schwer. Meist genügt es schon, wenn verinnerlicht wird, dass jeder Konsum eine riesige Menge unserer Lebenszeit kostet.

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