Der Mythos der Tollwut

Die Tollwut zählt unter allen Krankheiten zu der mit den zwiegespaltensten Meinungen.

Bei einigen ist nicht nur die Tollwut selbst, sondern auch die Tollwut-Impfung stark gefürchtet. Bei anderen wiederum wird die Tollwut größtenteils unterschätzt.

Doch woran liegt das?

Möglicherweise ist die Denkweise über die Tollwut deshalb so zwiegespalten, weil diese tödliche Krankheit nie im Fokus der Medien stand. Wenn ich an die letzten Jahre zurückdenke, dann erinnere ich mich sofort an BSE (Rinderwahn) und die daraus entstehende vCJK, die Vogelgrippe (H5N1) und – jeder wird sich an die Ice-Bucket Challenge erinnern – an die Nervenkrankheit ALS, die das mediale Interesse auf sich gezogen haben.

Um Gottes Willen, ich möchte keinesfalls eine der genannten Krankheiten verharmlosen. Jede der genannten Krankheiten haben schlimme und manchmal sogar tödliche Krankheitsverläufe, die aufgrund langer Qualen nicht nur für den Erkrankten, sondern auch für die Angehörigen einem scheinbar nie endenden Albtraum gleichen.

Eine ausgebrochene Tollwut verläuft immer tödlich!

Doch nur deshalb, weil die Tollwut (noch) nicht das mediale Interesse auf sich lenken konnte, so ist und bleibt die Tollwut eine Krankheit, die bei einem Ausbruch immer tödlich verläuft und deshalb niemals zu unterschätzen ist.

Aus diesem Grund möchte ich einige wichtige Informationen weitergeben, kursierende Mythen beseitigen und eine Handlungsempfehlung abgeben.

 

Grundsätzliches – Allgemeine Informationen zur Tollwut

Bei der Tollwut handelt es sich um eine Viruserkrankung, die durch infizierte Tiere auf den Menschen übertragen werden kann. Häufigste Infektionsmöglichkeiten sind beabsichtigte, aber auch zufällige Verletzungen durch Tiere, wie zum Beispiel Bisse oder Kratzwunden.

Doch ebenso wird das Virus durch weniger aggressive Einflüsse übertragen. Schon eine Berührung von Speichel des Tieres mit anschließendem Kontakt eigener Schleimhäute führt zu einer Infektion. Ein Abschlecken in Form des Spieltriebs oder als Zeichen der Zuneigung und der Unterwürfigkeit ist typisch für einen Hund. Wenn dabei nicht intakte Hautstellen berührt werden, führt dies zu einer Übertragung der Tollwuterreger.

Eine Infektion ohne Behandlung verläuft immer tödlich.

Selbst eine Infektion mit Behandlung verläuft tödlich, wenn die Hilfe zu spät kommt oder die verabreichten Gegenmittel nicht anschlagen.

Übertrager des Tollwut-Virus sind hauptsächlich infizierte Hunde und Katzen, doch auch Nagetiere, Fledermäuse und sogar Rinder, Schafe und Geflügel.

Tollwut Deutschland
Deutschland ist heutzutage nahezu tollwutfrei. Nur die Fledermaus gilt als möglicher Überträger des tödlichen Virus.

Die Tollwut ist weltweit verbreitet. In einigen Ländern mehr, in anderen Ländern weniger. Am stärksten betroffen sind die Länder Südostasiens wie zum Beispiel China, Indien, Indonesien und Malaysia.

Deutschland ist heutzutage fast frei von Tollwut. Naturforschern zufolge stellt in Deutschland nur noch die Fledermaus eine Infektionsmöglichkeit dar.

 

Der Krankheitsverlauf

Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Infektion bis zum Ausbruch der Krankheit, liegt zwischen 10 Tagen und drei Monaten. Nach Ausbruch der Krankheit dauert es etwa zwei Wochen bis zum Eintritt des Todes.

Ungeimpfte Personen, bei denen zum Beispiel durch eine Biss- oder Kratzverletzung ein Verdacht auf eine Tollwutinfektion besteht, sollten umgehend einen Arzt aufsuchen. Während der Inkubationszeit und somit vor Ausbruch der Krankheit besteht noch eine Chance, durch Gabe von Immunglobulinen den Ausbruch zu verhindern. Ist die Krankheit bereits ausgebrochen, kommt jede Hilfe zu spät.

Eine ausgebrochene Tollwut ist weder behandelbar noch therapierbar.

Auch geimpfte Personen sollten bei einem Infektionsverdacht den Arzt kontaktieren, weil zusätzlich zur Impfung zwei weitere Dosen des Impfstoffes benötigt werden.

 

Die Impfung

Nebenwirkungen – Wahrheit oder Mythos?

Selbst zur Impfung gegen Tollwut kursieren Gerüchte. Jegliche Gerüchte kann ich nicht aufzählen, doch viele von ihnen haben nicht einmal einen Funken Wahrheitsgehalt. Einige andere Gerüchte sind heute nicht mehr aktuell.

Allerdings möchte ich ein Gerücht aufgreifen, welches sich bis zu meiner eigenen Impfung gegen Tollwut auch in meinem Kopf fest verankert hatte.

Ohne recherchiertes Wissen geben viele Menschen die Information weiter, dass eine Impfung immer mit starken Nebenwirkungen verbunden sei. Es wird berichtet von Wahnvorstellungen, Schwindel, Fieber und weiteren grippeähnlichen Symptomen.

Kurz gesagt: Wer sich einer Tollwutimpfung unterziehe, der sei mindestens 2 bis 3 Wochen ans Bett gebunden, um seine Krankheit auszukurieren.

Möglicherweise war eine Impfung in der Vergangenheit mit starken Nebenwirkungen verbunden. Doch heute gilt dies nicht mehr.

Bei einer Tollwutimpfung wird in der heutigen Zeit der Impfstoff Rabipur® verwendet. Es handelt sich hierbei um einen inaktivierten Tollwutvirus-Totimpfstoff.

Tollwut Impfung Impfpass

Häufige Nebenwirkungen sind lediglich Rötungen, leichte Schwellungen und Verhärtungen an der Injektionsstelle. Nebenwirkungen, die bei anderen Impfungen ebenfalls des Öfteren auftreten.

Nur sehr selten mit einer sehr geringen Wahrscheinlichkeit treten Symptome wie Schüttelfrost, Kreislaufschwankungen und allergischen Reaktionen auf.

Insgesamt lässt sich Folgendes sagen:

Im Allgemeinen sind mit dem Impfstoff Rabipur® keine starken Nebenwirkungen im Zuge einer Tollwutimpfung zu erwarten.

 

Impfablauf, Kosten und Auffrischung

Wie läuft eine Impfung ab, was kostet die Impfung und wie lange hält sie an?

Für eine Grundimmunisierung sind insgesamt drei Impfungen notwendig. Nach der ersten Impfung folgt die zweite Impfung etwa nach einer Woche. Die dritte Impfung erfolgt etwa zwei Wochen nach der zweiten Impfung.

Von heute auf morgen ist eine Tollwutimpfung demnach nicht abzuschließen.

tollwut-impfung-impfplan

Wer in naher Zukunft eine Reise ins Ausland plant, sollte sich umgehend an einen Tropenmediziner oder Infektiologen wenden, um eine Impfung gegen Tollwut einzuleiten und rechtzeitig vor der Abreise geschützt zu sein.

Eine Impfung kostet etwa 70,- Euro. Bei drei nötigen Impfungen zur Grundimmunisierung sind dies in Summe ca. 210,- Euro.

Klingt zuerst viel, doch in aller Regel erstatten die Krankenkassen diesen Betrag. Wenn du dir nicht sicher bist, ob deine Krankenkasse die Kosten von Impfungen zurückerstattet, setze dich zuvor mit ihr in Verbindung.

Nach diesen drei Impfungen bist du grundimmunisiert. Prima.

Der Impfschutz liegt bei etwa 99 Prozent.

Doch die Impfung hält nicht ewig. Die erste Auffrischung erfolgt nach etwa einem Jahr, danach etwa alle 2 bis 5 Jahre – abhängig davon, wie schnell dein Körper die Antikörper gegen Tollwut abbaut bzw. neutralisiert.

Wer sich dauerhaft in Gebieten mit hohem Tollwutrisiko aufhält, sollte alle 6 bis 12 Monate eine Blutprobe abgeben und auf die Konzentration an Antikörpern untersuchen lassen.

 

Schutzmaßnahmen und richtiges Verhalten

Och wie süüüüüüüß…

Tollwut Reisegesundheit - Streunende Hunde
In Deutschland eher selten, doch in vielen Ländern völlig normal: streunende Hunde.

Da ich hier keinen Geschlechterkampf auslösen möchte, unterstelle ich an dieser Stelle auch meinen männlichen Zeitgenossen, diese Reaktion bei streunenden Hunden zu zeigen.

Aber Achtung!

Auch ein süß aussehender Hund gilt in Ländern mit Tollwut als verdächtig. Eine Tollwut ist beim Tier anhand äußerlich sichtbarer Merkmale nicht zwingend zu erkennen.

Das Tier mag noch so niedlich aussehen, doch eine Tollwut lässt sich dadurch nicht ausschließen.

Demnach ist einem Reisenden anzuraten, jeglichen Tierkontakt zu meiden.

Und bei einem Biss? Ganz klar: direkt zum Arzt! Egal, ob mit oder ohne Impfung.

 

Fazit und Handlungsempfehlung

Im Folgenden möchte ich eine Handlungsempfehlung abgeben.

Wer sich bei seinen Reisen und Bushcraft-Touren überwiegend in Deutschland aufhält, benötigt keine Impfung gegen Tollwut, weil Deutschland einerseits als nahezu tollwutfrei gilt und andererseits die Behandlungsmöglichkeiten nach einem Tierbiss in Deutschland relativ gut sind.

Für Reisen und Touren ins Ausland ist eine Tollwutimpfung auf jeden Fall zu empfehlen. Einerseits, weil die Tollwut weltweit verbreitet ist, und andererseits, weil Behandlungsmöglichkeiten in vielen Ländern der Welt nicht mit dem deutschen Standard zu vergleichen sind. Der zuvor angesprochene moderne und gut verträgliche Wirkstoff Rabipur® ist in vielen Ländern gar nicht oder nicht ausreichend vorhanden.

Dabei ist es übrigens egal, ob du dich überwiegend in Städten oder in der Natur als Camper oder Bushcrafter aufhältst. Auch in den Städten vieler Länder wirst du streunende Tiere antreffen, die vor allem im Müll nach Nahrung suchen.

Mit der sogenannten präexponentiellen Impfung (drei Impfungen vor der Reise) ist eine Grundimmunisierung gegen eine Tollwuterkrankung bereits abgeschlossen. Die Impfung wirkt auf dem ersten Blick recht teuer, aber die Kosten werden in der Regel von der Krankenkasse zurückerstattet.

Eine ausgebrochene Tollwut verläuft immer tödlich. Die Wahrscheinlichkeit für bedrohliche Nebenwirkungen bei der Impfung ist sehr gering.

Kümmere dich um die Impfung gegen Tollwut. So bist du auf der sicheren Seite und gegen viele Eventualitäten gewappnet. Dies sorgt für einen psychologischen Komfort.

Viel Spaß bei deinem Abenteuer!

 

Du fandest diesen Beitrag hilfreich? Teile ihn sofort mit deinen Freunden.

Leave A Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.