25 ultimative Outdoor-Tipps zum Wandern im Winter

Winterdespression? Nein danke!

Lass dir durch die kalten Temperaturen nicht die Laune verderben. Genauso wie sich die Natur im Herbst verändert, verändert sie sich im Winter. Da kann sich selbst eine Wanderetappe, die du bereits kennst, noch komplett neu anfühlen.

Darüber hinaus ist das Wandern im Winter eine tolle Möglichkeit, um die körperliche Leistungsfähigkeit auf einem guten Level zu halten und nicht im Frühjahr wieder bei Null anfangen zu müssen.

Also, ab nach draußen – nachdem du diese 25 Tipps verinnerlicht hast. Denn eine Wanderung im Winter bei Schneefall ist eine etwas andere Herausforderung als im Sommer.

 

Tourenplanung

1. Es wird später hell

Während wir uns in den Sommermonaten über lange Tage freuen können, an denen die Sonne gegen 6:00 Uhr morgens aufgeht, müssen wir uns im Winter mit dem Sonnenaufgang etwas gedulden.

In den Wintermonaten kann um etwa 8:00 Uhr mit dem Start der Wanderung gerechnet werden.

 

2. Es wird früher dunkel

Genauso wie die Sonne morgens später aufgeht, geht sie abends früher unter. Gegen etwa 17:30 Uhr ist es je nach Bewölkung stockdunkel.

Diese Zeiten des Sonnenaufgangs bzw. -untergangs sollten bei der Tourenplanung berücksichtigt werden, denn sie führen zwangsläufig zu einer kürzeren Etappe. Im Sommer sind beispielsweise Wanderungen von über 12 Stunden zeitlich kein Problem, doch im Winter würde eine Wanderung gleicher Dauer etwa 3 Stunden im Dunkeln bedeuten.

Wer das Wandern in der Dunkelheit vermeiden möchte, sollte dementsprechend kürzere Etappen einplanen.

 

3. Rundwanderung beginnen auf Anhöhe

Wenn du dich bei deiner Wanderung für einen Rundweg entschieden hast, solltest du dir das Höhenprofil genauer anschauen und – sofern möglich – deine Wanderung auf dem höchsten Punkt oder einer Erhebung starten. Hier kann durchaus vom offiziellen Startpunkt abgewichen werden.

Der Sinn dahinter? Bei einem Rundweg ist der Startpunkt gleichzeitig dein Ziel und eine Erhebung wird länger von der Sonne beschienen als ein Tal. Während das Tal bereits finster ist, können auf einer Erhebung die letzten Sonnenstrahlen für das nötige Licht sorgen.

Planst du deinen Startpunkt auf einer Erhebung, kannst du diese Sonnenstrahlen am Ende deiner Wanderung für dich nutzen.

 

4. Beim Wandern durch tiefen Schnee schaffst du weniger Kilometer als gewöhnlich

Du bist es gewöhnt, durchgehend mit einem Tempo von 5 km/h zu wandern und 25 Kilometer zurückzulegen? Bei einer Winterwanderung durch Schnee wird es schwierig, diese Werte zu halten.

Je nach Schneemenge wirst du deutlich verlangsamt, worauf du bei deiner Tourenplanung ebenfalls Rücksicht nehmen solltest.

 

Unterkünfte

5. Herbergen und Pensionen könnten wegen Renovierung geschlossen sein

Wer seine Wanderung auf mehrere Tage erweitern möchte, sollte sich vorher informieren, ob die typischen Unterkunftsmöglichkeiten, wie Pensionen und Herbergen, zu dieser Jahreszeit geöffnet sind.

Aus meiner Erfahrung kann ich berichten, dass insbesondere im November viele Hausherren diesen Monat nutzen, um einzelne Räume zu renovieren oder eine komplette Grundreinigung vorzunehmen.

 

6. Herbergen und Pensionen könnten wegen Ski-Saison überfüllt sein

Das Pendant zu einer geschlossenen Unterkunft ist eine überfüllte Unterkunft.

Insbesondere in populären Ski-Gebieten sollte eine Wanderung eher gemieden oder vorher eine Reservierung vorgenommen werden, damit die schöne Wanderung durch die bezaubernde Schneelandschaft nicht durch ewiges Suchen einer Unterkunft zunichtegemacht wird.

 

7. Mehr Arbeit, ein Nachtlager zu errichten

Wer eine Nacht im Freien bevorzugt, sollte sich darüber im Klaren sein, dass die Vorbereitung des Nachtlagers mit deutlich mehr Arbeit verbunden ist als in den warmen Monaten des Sommers.

Bei hoher Schneemenge kann hier durch das Verdichten des Schnees ein gescheiter Untergrund erzeugt werden, was die Arbeit zur Befreiung von Steinen und Ästen erspart. Doch bei geringer Schneemenge sollte neben den unliebsamen Untergrundhindernissen zusätzlich der Schnee entfernt werden, um übermäßiges Schmelzwasser sowie Sickergruben zu vermeiden.

Wandern im Winter - Tipps und Tricks - 01

 

Verpflegung

8. Nicht auf private Verkäufer hoffen

Machen wir uns nichts vor: Im Winter wandern im Vergleich zum Sommer deutlich weniger Menschen. Das wissen auch die liebevollen Familien, die an einigen Orten am Wegesrand kleine Proviantpakete, Früchte und Schokoriegel verkaufen.

Dies gilt ebenfalls für kleinere Einkaufsläden, die in den bewährten Sommerwandermonaten auf Laufkundschaft hoffen und ihren Laden durch die Wanderer am Leben halten. Bleiben die Wanderer aus, macht es für die Ladenbesitzer Sinn, ihren Laden zu schließen und ggf. einer anderen Tätigkeit nachzugehen.

Darauf sollten sich Winterwanderer einstellen.

 

9. Essensriegel vorher aufwärmen

Obwohl ich Schokoriegel und andere industriell hergestellte Lebensmittel nicht empfehlen kann, darf der folgende Tipp in dieser Liste der ultimativen Winterwandertipps nicht fehlen, weil mir bewusst ist, dass viele Wanderer darauf setzen.

Wähle bei der Verstauung des Essensriegels einen Platz in oder an deinem Rucksack, den du leicht erreichen kannst. Etwa eine halbe Stunde vor der geplanten Pause solltest du den Riegel zum Beispiel in die Hosentasche oder in die Brusttasche stecken, um ihn in eine essbare Konsistenz zu bringen.

Oder du beherzigst diesen Tipp nicht und belustigst ausgiebig deine Mitwanderer, wenn du verzweifelt auf deinem eingefrorenen, steinharten Schoko-Müsli-Stick herumlutschst.

 

10. Wildkräuter sind schwieriger zu finden

Wenn die Temperaturen sinken und die Pflanzen ihr Wachstum reduzieren oder gar komplett einstellen, hat dies natürlich auch direkten Einfluss auf all diejenigen, die sich auf ihren Wanderungen gerne von und mit Wildkräutern ernähren.

Die Kräuter sind klein, größtenteils von anderen Tieren abgefressen oder bei Schnee entsprechend zugeschneit.

Dies sollte bei den Verpflegungsmöglichkeiten berücksichtigt werden oder wer grundsätzlich nicht auf Wildkräuter verzichten mag, sollte für seine Wanderung ausreichend Zeit für die Suche mitbringen.

 

11. Boden hart, wenn Bodenfrost

Sie werden vergleichsweise selten verwendet, dürfen aber in dieser Auflistung ebenfalls nicht fehlen: die unterirdischen Pflanzenteile.

Sehr erfahrene Bushcrafter und Kräuterkundige, die Rhizome, Zwiebeln und Knollen bei ihren Wanderungen in ihre Ernährung aufnehmen, sollten sich bewusst sein, dass im Winter bei währendem Bodenfrost eine Menge Arbeit notwendig ist, um an diese Pflanzenteile heranzukommen.

 

Ausrüstung

12. An die Sonnenbrille denken

Weiter geht’s mit der Ausrüstung und hier möchte ich direkt einen Gegenstand ansprechen, der des Öfteren vergessen wird: die Sonnenbrille. Wer in Chemie und/oder der Farbenlehre aufgepasst hat, wird verinnerlicht haben, dass die Farbe Weiß das Licht am stärksten reflektiert.

Bei einer schönen, gleichmäßigen Schneeschicht und Sonnenschein kann die Wanderung schnell zur Tortur werden. Insbesondere die kurzwellige UVB-Strahlung kann bei langfristigem Aufenthalt in schneebedeckten Gebieten die Horn- und Bindehaut des Auges schädigen. Auch bekannt als Schneeblindheit.

Die Sonnebrille kann Abhilfe schaffen.

 

13. Mütze mitnehmen

Wie jeder Outdoorer weiß, wird die meiste Körperwärme über den Kopf abgegeben. So auch und insbesondere im Winter, wenn es darum geht, langfristig nicht auszukühlen. Die Mütze sorgt dafür, diesen Wärmeverlust zu minimieren.

Des Weiteren lässt sich eine Mütze mit einem Handgriff ohne Zwischenstopp abnehmen, sodass durch simples Auf- und Absetzen der Mütze die Körperwärme und das dazugehörige Wohlbefinden regulierbar sind.

 

14. Kleine Sitzunterlage für Pausen

Ebenfalls empfohlen wird eine leichte Sitzunterlage für die Pausen. Bei Schneefall sind sowohl natürliche Sitzplätze wie Baumstümpfe, umgefallene Bäume und Steine als auch von Menschenhand erbaute Plätze, wie zum Beispiel Bänke, mit Schnee bedeckt.

Wer sich seinen Allerwertesten nicht nass machen oder seine Pausenplanung eher unflexibel am nächsten Holzhäuschen gestalten möchte, sollte eine kleine Unterlage nutzen. In der Regel reicht hier ein gelber Sack, den du von der Mülltrennung von Plastik kennst. Ein gelber Sack ist leicht und lässt sich superklein zusammenknüllen.

Wandern im Winter - Tipps und Tricks - 02

 

15. Schneeschuhe checken

Auf populären Wanderwegen mit Tiefschnee besteht an entsprechenden Startpunkten die Möglichkeit, Schneeschuhe zu leihen. Da du dort sowieso weitere Informationen bekommst, gehe ich diesbezüglich nicht näher darauf ein.

Schneeschuhe werden ab einer Schneetiefe von etwa 20 bis 25 Zentimeter empfohlen.

 

16. Thermoskanne statt Trinkflasche

Ich persönlich bin ein großer Fan meines Trinkflaschensystems, doch für Winterwanderungen ist dennoch eine Thermoskanne die klügere Wahl.

Gefüllt mit heißem Tee kann bei Pausen der eigene Körper von innen gewärmt werden. Kaltes Trinkwasser aus der Plastikflasche hat exakt den gegenteiligen Effekt.

 

17. Zwiebelprinzip nutzen

Der Sinn des Zwiebelprinzips lässt sich meiner Meinung nach am einfachsten bewusst machen, wenn du verinnerlichst, dass dich deine Kleidung nicht wärmt. Nein, die Kleidung wärmt nicht.

Das, was dich nicht nur unterwegs, sondern auch daheim unter der Kuscheldecke wärmt, ist dein Körper. Die Kleidung sorgt dafür, dass diese Wärme nah an deinem Körper bleibt und nicht verloren geht.

Diese isolierende Wirkung wird verstärkt, wenn du mehrere Schichten an Kleidung übereinander anziehst – das Zwiebelprinzip.

 

18. … aber nicht zu viele Klamotten, denn Wandern macht warm

Jetzt kommt das große Aber! Wandern und grundsätzlich Bewegungen machen warm.

Ist deine isolierende Schicht zu dick und du bewältigst zusätzlich einige Höhenmeter, bist du wie in einem Ofen gefangen, der sich langsam aufheizt. Schweißausbrüche und Atemnot können die Folge sein.

Der unachtsame Wanderer zieht nun panisch seine obersten Schichten aus, um abzukühlen, was wiederum durch die Verdunstungskälte zu einer Unterkühlung führen kann. Ein Teufelskreis.

Bis zu einem gewissen Maß regelt gute Funktionskleidung, doch am Sinnvollsten ist es dennoch, sich selbst bewusst zu machen, welche Kleidung in der entsprechenden Situation für den eigenen Körper am besten geeignet ist. Dies kommt durch fortschreitende Erfahrung.

 

19. Keine Jeans!

Jeans sind schnell nass und somit kalt. Im Winter entsprechend nachteilig.

Für kurze Wanderungen von maximal 2 Stunden mag eine Jeans noch in Ordnung sein, aber für längere Wanderungen möchte ich grundsätzlich Funktionskleidung empfehlen. Selbst eine günstige No-Name-Funktionshose ist (in den meisten Fällen) besser als eine Jeans, bei der die Feuchtigkeit nach und nach das Hosenbein hochkrabbelt.

Wandern im Winter - Tipps und Tricks - 03

 

20. Gamaschen sind überbewertet

Von vielen Outdoor-Experten und auch in einigen Foren lese ich immer wieder die Empfehlung von Gamaschen, die über den unteren Teil der Hose gezogen werden, um zu verhindern, dass Schnee in die Schuhe oder Stiefel eindringen kann.

Ich selbst nutze keine Gamaschen und ich habe jene noch nie benötigt oder habe auch nur eine Sekunde darüber nachgedacht, dass Gamaschen genau in diesem Zeitpunkt einen enormen Vorteil bringen würden.

Für den Fall, dass Schnee in die Schuhe eindringt, hätte ich meine Schnürsenkel oder notfalls ein Abspannseil um mein Hosenbein gewickelt.

Wer Gamaschen hat, kann sie gerne weiter nutzen, doch wer keine Gamaschen besitzt, braucht nicht extra Geld ausgeben, um sie sich anzuschaffen.

 

21. Achte auf deine Lippen

Wer kalte Temperaturen nicht gewöhnt ist, kann Probleme mit den Lippen bekommen.

Die Kälte trocknet die Lippen sehr schnell aus, was du spröden, teilweise aufgerissenen Lippen führt. Ein Lippenschutz kann helfen.

Da ich leider noch keinen 100 Prozent natürlichen Lippenstick getestet habe, kann ich hier noch keine Empfehlung abgeben. Pures Kokosöl soll sich bewährt haben.

 

22. Die richtigen Socken nutzen

Grundsätzlich gilt: Funktionskleidung funktioniert nur mit Funktionskleidung.

Wer die besten Wanderstiefel, aber die schlechtesten Socken trägt, braucht sich weder über kalte Füße, noch über Blasenbildung wundern.

Empfehlen kann ich an dieser Stelle die Socken von Woolpower (200g). Wer besonders schnell kalte Füße bekommt, kann die 400g-Variante in Betracht ziehen.

 

Allgemeines

Zum Abschluss noch einige Tipps aus der Rubrik “Allgemeines”, die sowohl auf die Routenplanung und die benötigte Ausrüstung, als auch das körperliche Wohlbefinden und die mentale Einstellung bezogen werden können.

 

23. Wandern durch Schnee ist anstrengend

Ist der Schnee zu tief, wirkt jeder Schritt etwas schwerfällig und kostet enorme Kraft.
Ist der Schnee bereits festgetrampelt oder matschig, ist aufgrund des glitschigen Untergrunds ein Wegrutschen möglich.
Ist der Schnee zu hart, bedarf es stets eine gewisse Balance, um einen Schritt vor den nächsten zu setzen.

Unterm Strich durchweg wichtige Aspekte, über die du dir vor deiner Winterwanderung im Klaren sein solltest, um deine Routenplanung anzupassen und dich mental auf die Wanderung vorzubereiten.

 

24. Mehr kurze Pausen statt wenige lange Pausen

Wie weiter oben bereits erwähnt, hält das Wandern und grundsätzlich körperliche Bewegung warm. Doch jeder braucht bei seiner Wanderung mal eine Pause, um sich kurz zu erholen, etwas zu trinken oder zu essen.

Eine lange Pause kann zur kompletten Ab- bzw. Auskühlung führen.

Bei kalten Temperaturen wird deshalb empfohlen, auf eine lange, ausgiebige Pause zu verzichten und stattdessen viele kürzere Pausen einzulegen.

 

25. Abzweigungen gründlicher kontrollieren, weil Wegmarkierungen zugeschneit sein könnten

Der letzte Punkt dieser Liste ist ein Tipp, den ich nicht nur weitergeben möchte, sondern bei mir selbst noch optimieren muss: das Achten auf Wegmarkierungen!

Wenn’s schneit und der Wind passend steht, können die Wegmarkierungen gänzlich zugeschneit sein.

Deshalb sollte bei jeder noch so kleinen Abzweigung genauestens hingeschaut werden, ob nicht doch eine Wegmarkierung übersehen wurde, um mehrere Kilometer Umweg zu vermeiden. Ganz besonders schmerzhaft ist dies am Ende einer langen und anstrengenden Etappe, während ein Verlaufen schon durch ein aufmerksameres Verhalten hätte vermieden werden können.

 

 

So, das waren sie. 25 Tipps zum Wandern im Winter hinsichtlich Routenplanung, Unterkunftssuche, Verpflegungsmöglichkeiten und benötigter Ausrüstung.

Falls du weitere Tipps hast, schreibe sie gerne unten in die Kommentare. Und falls du weitere Fragen haben solltest, schreib sie ebenfalls in die Kommentare. So wie immer. 😉

2 Comments 25 ultimative Outdoor-Tipps zum Wandern im Winter

  1. Kili 21. Dezember 2015 at 21:55

    Hi Tobi,
    tollen Blog hast du hier.
    Was sind denn deine liebsten Winterwanderungen in den Alpen?
    Oder wo sind deine Fotos entstanden?

    Reply
    1. Tobi 21. Dezember 2015 at 22:27

      Hi Kili,
      vielen Dank für deinen Kommentar! Die hier gezeigten Fotos stammen vom Rothaargebirge im Sauerland (NRW). In den Alpen war ich noch nicht im Winter. Ansonsten bin ich ein großer Fan der julischen Alpen in Slowenien.

      Liebe Grüße,
      Tobi

      Reply

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