Tour in Slowenien – Ein Tagebucheintrag

Meine nächste Reise führt mich nach Slowenien. In der Vergangenheit war ich bereits in diesem wundervollem Land, doch immer zu kurz, um wirklich in dieses Land sowohl kulturell als auch emotional einzutauchen. Kaum angekommen, ging es schon wieder zurück. Das soll sich dieses Mal ändern. Mindestens drei Wochen möchte ich in Slowenien verbringen.

Wie bei meinen anderen Touren verzichte ich auf eine genaue Planung wie die Tour ablaufen soll. Wo ich es gut finde, da bleibe ich, und wo es mir nicht gefällt, da bleibe ich nicht. Ganz einfaches Prinzip.

Allerdings gibt es dieses Mal ein kleines „Randprogramm“. Die erste Woche ist gedacht für ein willkürliches Travelling durch Slowenien, in der zweiten Woche genieße ich eine Schulung meiner Kajak-Fähigkeiten und in der dritten Woche besuche ich ein bekanntes Festival im Sočatal. In diesem Reisetagebuch möchte ich die erste Woche genauer beschreiben.

 

Also dann, los geht’s.

Mein Start ist dieses Mal in Köln. Ein wenig die Flugpreise verglichen und schon hatte ich ein günstiges Flugticket, um meine Reise anzutreten. Mit dem Flugzeug geht’s von Köln nach Venedig. Flüge nach Trieste oder Ljubjana sind für mich aufgrund der deutlich höheren Flugpreise einfach nicht realistisch.

Allerdings empfinde ich diesen Umstand als nicht so schlimm, denn so ist noch ein wenig Sightseeing in den italienischen Städten möglich, bevor ich dann Richtung Slowenien aufbreche. Auch nicht schlecht.

 

Ankunft in Venedig

Nach der sicheren Landung am Flughafen in Venedig geht es zuerst in die City. Jaja, Venedig. Eine Touristenhochburg. Was ich zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht weiß, ist, dass ich im Laufe meiner Tour noch eine deutlich extremere Touristenhochburg antreffen sollte. Aber dazu erst gleich.

Als allererstes atme ich erst einmal tief ein. Der Duft von Urlaub. Endlich wieder unterwegs. Obwohl in Venedig immer der Gestank von Müll und Sonnencreme der Touristen mitschwingt, ist ein Hauch vom Salzwasser des Mittelmeers trotzdem zu erkennen. Ich wühle ich durch die Menschenmassen hindurch bis an den Hafen und anschließend durch die City Richtung Bahnhof. Mit Sicherheit könnte man ein Vermögen in den zahlreichen Restaurants ausgeben, die sich in den engen Gassen der venezianischen Innenstadt aneinanderreihen, aber das möchte ich natürlich nicht – selbst dann nicht, wenn ich die Mittel dafür hätte.

Am Bahnhof angekommen lerne ich eine sehr interessante Türkin kennen, die ebenfalls als Backpacker unterwegs ist und diverse italienische Städte abklappert. Allzu lange dauert unser gemeinsame Plausch leider nicht, denn schon bald fährt mein Zug Richtung Trieste.

 

Trieste – Ein erschreckender Anblick

Ich hatte bereits viel von Trieste gehört und überwiegend waren dies positive Dinge mit der Empfehlung, zeitnah diese Stadt zu besuchen. Doch der Anblick ist erschreckend. Jede Bar, jedes Restaurant, jede Straße und jede Gasse ist völlig überfüllt mit Touristen. Hier möchte ich definitiv nicht lange bleiben. Ufer von TriesteIch gehe etwas weiter und erreiche den „Strand“. Moment, Strand? Es gibt keinen Strand. Nur ein Ufer, welches mit großen Granitfelsen ausgelegt ist, die als Wellenbrecher dienen.

Selbstverständlich lasse ich es mir nicht nehmen, noch kurz eine Runde im Meer zu schwimmen, doch schon bald ziehe ich weiter, um diesen mit Touristen überfüllten Ort wieder zu verlassen.
Mit dem Zug geht es weiter über Monfalcone und Gorizia nach Nova Gorica.

 

Nova Gorica – Ein historischer Moment

In beziehungsweise bei Nova Gorica überquere ich die Grenze von Italien und Slowenien. Direkt an der Grenze befindet sich auch der Bahnhof der Transalpina-Bahn. Grenze von Italien und Slowenien bei Nove GoricaZweifelsohne gehört dieser Ort zu jenen Orten, deren historischer Hintergrund in jeder Sekunde präsent ist. Diverse Schilder mit Fotos der damaligen Situation untermalen dieses Gefühl als bewaffnete Polizisten etliche Slowenen zurückdrängen, die versuchen, die Landesgrenze nach Italien zu überqueren. Ein wahrhaftig prägender Moment.

Kurz vor Abfahrt der Transalpina-Bahn lerne ich einen Einheimischen kennen, der total erfreut ist, dass er einen Menschen trifft, der statt mit einem Zelt viel lieber mit einer Hängematte und einem Tarp unterwegs ist. Er selbst sei ebenfalls einer derjenigen, die es lieben, draußen in der Natur umherzustreifen und das Gefühl der Freiheit zu genießen. Leider verlässt er schon bald bei einer Zwischenstation den Zug, sodass auch dieser Plausch schon nach kurzer Zeit endet.

 

Slowenien – Eine Landschaft wie im Paradies

Meine Zugfahrt endet in Most na Soči. Dies ist ein kleines Dorf direkt an der Soča. Nicht wenige Menschen haben sich bereits beim ersten Anblick in diesen Fluss verliebt. Klares, türkises Wasser umgeben von einer nahezu unberührten Natur. Wer das klischeehafte Bild des Paradieses im Kopf hat, wird dieses Bild hier in Slowenien wiederfinden. Weiter oberhalb in den Bergen ist die Soča deutlich schmaler mit vielen Stromschnellen, doch hier in Most na Soči ist die Soča sehr breit und erinnert eher an einen See. Hier kann man problemlos schwimmen und genau das mache ich jetzt. Doch nur kurz, denn ich muss mir noch einen ordentlichen Platz zum Übernachten suchen, um dort mein Nachtlager aufzuschlagen. Soca bei Most na SociSo entferne ich mich etwas vom Dorf und finde schnell einen geeigneten Platz am Waldrand, um meine Hängematte zwischen zwei Bäumen aufzuspannen.

Den nächsten Tag verbringe ich noch sehr lange bis in den Nachmittag am Ufer der Soča. Bei etwa 30°C gönne ich mir immer wieder eine sehr erfrischende Abkühlung im Fluss. Ich habe ja keinen Stress und hier gefällt es mir wirklich sehr. Erst als die Hitze etwas nachlässt, nehme ich mein Gepäck und ziehe weiter Richtung Tolmin. Allzu viel möchte ich heute jedoch nicht mehr wandern und so suche ich bereits nach einer Wanderung von etwa 1,5 Stunden mein nächstes Nachtlager. Die heutige Nacht möchte ich direkt an der Soča verbringen, um beim Einschlafen dem Rauschen des Wassers zuhören zu können. Nicht weit von Tolmin finde ich einen schönen Platz, von dem ich genau beobachten kann wie die Sonne hinter den Bergen verschwindet. Hier möchte ich mein Nachtlager aufschlagen. Doch genau jetzt mache ich einen sehr leichtsinnigen Fehler, der schlimme Folgen haben und mir für immer eine Lehre sein wird.

Soca bei Tolmin im Sonnenuntergang

Schon oft habe ich meine Hängematte einfach als Unterlage auf dem Boden verwendet, wenn ich keine geeigneten Bäume gefunden habe oder nicht länger suchen wollte. Dies allein wäre nicht so schlimm gewesen, doch ich wähle einen Platz, der bei steigendem Wasserstand knapp oberhalb des Wasserstandes liegt. Bislang nicht so tragisch, denn es hat die letzten drei Tage nicht geregnet und es machte nicht den Anschein, dass ein deutlich steigender Wasserstand zu erwarten wäre.

Auch der Abend ist sehr schön. Nur wenige Wolken sind am Himmel zu erkennen und ich kann noch lange die intensive Wärme der untergehenden Sonne genießen. Ich habe bereits Feuerholz gesammelt, um auch nach Sonnenuntergang noch etwas Licht und Wärme zu haben. Mein Feuerholz reicht etwa für zwei Stunden. Genug für den heutigen Abend. Mit der Zeit entwickelt sich ein gewisses Auge dafür, wie lange das gesammelte Holz in etwa brennen wird. Das macht die Erfahrung. Nachtlager am Flussufer der SocaSo erlischt die letzte Flamme wie geplant gegen Mitternacht. Gute Zeit zum Schlafen. Ich mache es mir gerade in meinem Schlafsack gemütlich als ich plötzlich ein leichtes, aber deutliches und vor allem nahes Grollen höre. Ich schaue nach oben und erkenne, dass sich langsam eine dunkle Wolkendecke über den nahezu klaren Himmel legt. Ab jetzt geht alles ganz schnell.

Der Wind nimmt deutlich zu, die Luft kühlt sich zügig ab und schon bald ist der ganze Himmel mit dunklen Wolken bedeckt.

Da, ein Blitz. Ich beginne zu zählen. …6…7…8…9…10, dann der Donner. Okay, das anstehende Gewitter ist noch gute 3km von mir entfernt. Hoffentlich zieht es an mir vorbei. Jetzt beginnt auch der Regen. Erst langsam, doch schon bald schüttet es in Strömen. Vom Rauschen des Flusses ist nun nichts mehr zu hören. Viel zu laut sind die Regentropfen, die erbarmungslos auf mein Tarp prasseln. Da, der nächste Blitz. …6…7…8, rumms. Das Gewitter kommt nicht nur näher, sondern fegt schließlich genau über mir her.

Wirklich erstaunlich. Als kleines Kind habe ich bei einem Gewitter immer meinen Rucksack geschnappt und meine Lieblingsspielsachen darin verstaut. Im Falle eines Brandes durch einen Blitzeinschlag war ich vorbereitet, um mein wichtigstes Hab und Gut zu retten.
Heute sitze ich hier. Alleine. Im Wald. An einem reißendem Fluss. Mehrere Kilometer vom nächsten Dorf entfernt. Mitten in der Nacht. In völliger Dunkelheit, die alle paar Sekunden durch den nächsten Blitz erhellt wird.

Angst habe ich keine. Die Natur härtet ab. Und das immer auf die heftige Art und Weise.

Irgendwann gelingt es mir, etwa zwei Stunden zu schlafen.

Doch dann werde ich unsanft geweckt. Warum ist es plötzlich so kalt? Mittlerweile ist es bereits hell geworden, denn der Sonnenaufgang steht unmittelbar bevor. Schnell schaue ich Richtung Fluss. Dann erkenne ich es.

Der heftige Regen hat binnen weniger Stunden den Wasserstand um knapp einen halben Meter erhöht. Ich habe zwar noch reichlich Abstand zum Fluss, doch das Wasser sickert bereits durch den Boden in mein Lager. Der schöne Strand, der am Vorabend noch aus weichem Sand und kleinen Kieselsteinen bestand, hat sich nun in eine völlig durchnässte Matschgrube verwandelt. Alles ist nass. Sogar mein Schlafsack. Allerdings hätte ich diesen Umstand vorhersehen können. Ein Fehler, den ich in Zukunft ganz sicher nicht noch einmal machen werde.

 

Tolmin – Am Tor des Triglavski Nationalparks

Fast die komplette Ausrüstung ist durchnässt und mit nassem Sand bedeckt. Das Gewitter ist mittlerweile vorbei, doch der Dauerregen hält weiter an. So werde ich meine Klamotten nur sehr schwer trocknen können. Eine sehr unbefriedigende Situation. Ich versuche das meiste des Wassers auszuwringen und stopfe alles in meinen Seesack. Ich schätze, dass sich das Gesamtgewicht um locker fünf Kilogramm durch die Feuchtigkeit erhöht hat. Ein Grund mehr, vor der Reise nur das Nötigste einzupacken. Ich ziehe also weiter Richtung Tolmin, während der Regen weiter anhält. Die Moral sinkt Sekunde um Sekunde, doch so leicht lasse ich mich nicht unterkriegen.

Endlich erreiche ich die Stadt. Obwohl ich am liebsten weiterhin draußen in der freien Natur geschlafen hätte, suche ich mir nun eine günstige Unterkunft. Entweder ein Hostel oder ein günstiges Hotel. Da das Preisniveau im Vergleich zu Deutschland hier in Slowenien deutlich geringer ausfällt, ist dieser uneingeplante Umstand noch zu verkraften. So kann ich wenigstens in aller Ruhe meine Ausrüstung trocknen.

Es regnet die nächsten drei Tage fast durchgehend. Glück mit dem Wetter habe ich bei dieser Tour demnach leider nicht. Aber auch das bringt Vorteile, denn so wird Tolmin zu meiner Basis, von der ich verschiedene Orte besuche und abends – wenn auch vom Regen komplett durchnässt – zurückkehre, um abermals meine Ausrüstung zu trocknen. Nebenbei ergibt sich so die Möglichkeit, in verschiedenen Bars und Restaurants nette Leute kennenzulernen. Es ist insgesamt deutlich ruhiger in Tolmin als in einer typischen Touristenhochburg, aber der ein oder andere Tourist ist dennoch anzutreffen. Das Wichtigste für mich ist aber, dass all diese Touristen aus einem ähnlichen Grund hier sind wie ich: Aktiv-Urlaub. Wanderer, Mountainbiker, Motorradfahrer, diverse Fans von Wildwasser-Aktivitäten, es ist für jeden was dabei. Ein sehr sympathischer Slowene sagte mir, dass die julischen Alpen wohl der Magnet für die “Verrückten mit den Funktionsshirts” wären. Jepp, da gehöre ich wohl dazu. Danke für dieses Kompliment. 🙂

 

Die Tolminer Klammen

Wenige Kilometer von Tolmin entfernt befinden sich die Tolminer Klammen. Auf jeden Fall eine Reise wert. Das Gefühl in der engen Schlucht mit den teilweise überstehenden Felswänden und den reißenden Stromschnellen ist einfach atemberaubend. Sehr attraktiv ist für Wanderer die Vielfalt an Streckenabschnitten mit den unterschiedlichen Begebenheiten. Tolminer KlammenMal auf einem Schotterweg, mal an einem steilen Hang, mal direkt am Fluss, mal hoch oben auf einer 50-Meter hohen Brücke mit einer wundervollen Aussicht. Eine sehr abwechslungsreiche Tour. Von Tolmin aus dauert ein Fußmarsch hin und zurück bei zügigem Tempo knappe drei Stunden. Zu empfehlen ist aber ein ruhigeres Tempo, um das Gefühl dieses faszinierenden Naturerlebnisses vollends genießen zu können.

 

Javorca – Die Heiliggeist-Gedenkkirche

Ein weiterer interessanter Ort in der Nähe von Tolmin ist die Heiliggeist-Gedenkkirche Javorca. Diese Tour ist schon etwas schwieriger mit einer Strecke von etwa 8 Kilometern und mehreren Höhenmetern pro Weg. Insbesondere der letzte Anstieg hat es nochmal in sich. Tobi bei der Heiliggeist Gedenkkirche JavorcaGerade bei höheren Temperaturen kommt man hier schon nah an seine Grenzen.

Ich selbst bin am Anfang etwas skeptisch, ob ich diese Kirche besuchen möchte, weil ein Zutritt ins Innere werktags nicht möglich ist. Dementsprechend kann ich bei meiner Ankunft “nur” die äußere Umgebung und die Fassade bewundern. Doch wie so oft ist der Weg das Ziel und so auch hier. Der Weg zur Kirche verläuft stellenweise in mehreren Metern Höhe an den Bergen entlang, d.h. auf der einen Seite befindet sich eine hohe Felswand und auf der anderen Seite ein steiler Abgrund in die Tiefe. Natürlich ist der Ausblick auf die umliegenden Berggipfel einfach fantastisch.

Eine Reise zu diesem wundervollen europäischen Kulturerbe entlang der recht abenteuerlichen Route weit über der Tolminka – einem Nebenfluss, der in die Soča fließt – ist sehr zu empfehlen.

 

Kobarid – Eine Reise in die Vergangenheit

Am folgenden Tag wird das Wetter endlich wieder besser. Bis in den Nachmittag ist es zwar immernoch sehr bewölkt, doch immerhin hat dieser unaufhörliche Dauerregen endlich ein Ende. So verlasse ich also Tolmin und ziehe weiter Richtung Norden. Die nächste Stadt auf dieser Etappe ist Kobarid. Kobarid – oder in den Geschichtsbüchern auch bekannt als Caporetto – ist eine Stadt im Nordwesten Sloweniens nahe der italienischen Grenze. Schon bei der Ankunft fällt auf, dass es hier diverse Möglichkeiten gibt, hier auf der Soča Wassersport zu betreiben. Doch Wassersport ist nicht das einzige höchst interessante in dieser Stadt.

Ausblick bei KobaridIm ersten Weltkrieg war das Gebiet rund um Kobarid im oberen Sočatal Teil der Izonzofront. Die hier geführten Schlachten zählen zu den größten Schlachten innerhalb einer Berglandschaft in der Geschichte der Menschheit. Hier in Kobarid befindet sich ein Museum, welches Ausstellungsstücke, Berichte und Fotomaterial dieser Schlachten zeigt.

Des Weiteren gibt es einen Pfad zum “Hügel” von Kobarid. Dieser sogenannte Lehrpfad zeigt den Leidensweg Jesu Christi auf mehreren Statuen. Obwohl auch hier bei dem recht steilen Anstieg des Pfades und bei Temperaturen um die 28°C das Gepäck auf den Schultern langsam schwerer wird, zeigt sich meine Stimmung eher wehmütig und ehrfürchtig. Solltest auch du irgendwann nach Kobarid kommen, lass bitte unbedingt diese vielen Statuen auf dich wirken.

Um das Ganze noch zu toppen, erscheint am Ende des Pfades ein mächtiges Gebäude: das italienische Beinhaus. Dieses Beinhaus gilt als das größte Beinhaus italienischer Soldaten, die während des ersten Weltkrieges in dieser Region ums Leben kamen. Knapp 8000 Soldaten unterschiedlicher Ränge liegen hier begraben. Rang und Name der gefallenen Soldaten sind hier in grünen Marmorplatten gemeißelt, die die einzelnen Nischen der Leichname verschließen.

Italienisches Beinhaus bei Kobarid

 

Auf dem Weg zum Kozjak-Wasserfall

Nach einigen Minuten verlasse ich diesen historischen Ort. Zu meiner Zufriedenheit gibt es am Beinhaus einen weiteren, schmalen Wanderweg, der hinunter ins Tal führt. Von dort aus gelange ich sehr schnell an die Soča. Noch beim Hinunterlaufen dieses steinigen und holprigen Wanderweges denke ich weiterhin an das soeben Gesehene. Soca bei KobaridManchmal tut es auch einfach gut, sich mal wieder die Vergangenheit bewusst zu machen und daran zu denken, wie wertvoll das Leben ist.

An der Soča angekommen beschließe ich, erstmal eine längere Pause zu machen. Raus aus den Wanderstiefeln, hinein ins Wasser. Erstmal abkühlen.
Dies sind immer die ganz besonderen Momente und auch der Vorteil, alleine zu reisen. In Momenten wie diesen kann ich mal komplett abschalten, in mich gehen und in aller Ruhe über das Gesehene und Erlebte nachdenken. Ganz ohne Trubel und anderen Ablenkungen. Balsam für die Seele. Das Rauschen des Flusses und das fabelhafte, türkisfarbene Wasser der Soča unterstützen diesen innigen Moment.

Erst am späten Abend verlasse ich das Flussufer und suche mir eine geeignete Stelle für mein Nachtlager. Schnell finde ich zwei geeignete Bäume für meine Hängematte. Ein Feuer brauche ich heute Abend nicht. Vollmond in SlowenienStattdessen ist heute Vollmond und so ist es hell genug in meiner Umgebung, um noch ein bisschen nachzudenken und zu lesen.

Früh am nächsten Morgen breche ich wieder auf. Während meiner gestrigen Wanderung sind mir bereits mehrfach diese kleinen Schilder mit der Aufschrift “Kozjak” aufgefallen. Da ich ohne Planung unterwegs bin und auch im Vorfeld so gut wie gar nichts recherchiert hatte, konnte ich mit diesen kleinen Schildern überhaupt nichts anfangen. In Deutschland wären dies bestimmt deutlich größere Schilder mit einer Erklärung dabei, was denn dieses “Kozjak” überhaupt bedeuten solle, aber nunja, andere Länder, andere Sitten. 😉

Aber alles halb so wild, denn so wurde auf jeden Fall meine Neugier geweckt. Deshalb entscheide ich mich nicht für den direkten Weg in die nächste Stadt, sondern laufe einen Umweg. Und zwar du diesem “Kozjak”, was auch immer das sein mag. Ich folge einfach weiter diesen kleinen Schildern, die entlang eines recht abenteuerlichen Wanderweges führen. Hinweg über eine Hängebrücke, danach einige Höhenmeter hinunter, um dann wieder ein paar Höhenmeter hinauf zu wandern. Steinig, holprig, verwurzelt. Ja, sowas gefällt mir richtig gut. So langsam fließt entlang des Weges auch wieder Wasser. Dies sind die kleinen Nebenflüsse, die in die Soča münden. Brücke am KozjakSehr interessant sind hier die kleinen Behelfsbrücken, um die Bäche zu überqueren. In Deutschland wäre so etwas ganz sicher verboten, weil diese Brücken weder ein Geländer noch sonst irgendwas zur Absicherung haben. Aber wer braucht so etwas schon?

Weiter geht es entlang der abenteuerlichen Strecke bis mir so langsam klar wird, was der Begriff “Kozjak” bedeuten soll. Kozjak ist der Name dieses kleinen Flusses, den ich hier entlang wandere, und das besondere Phänomen in diesem Gebiet ist der Kozjak-Wasserfall, der sich innerhalb einer kleinen Höhle befindet. Wie dankbar bin ich in diesem Moment, dass ich den kleinen Schildern hinterhergejagt bin. Diese einmalige Atmosphäre hätte ich auf gar keinen Fall missen wollen. Selbstverständlich habe ich ein Foto gemacht, aber mir selbst ist klar, dass dieses Foto nicht das wiedergeben kann, was hier gerade stattfindet. Einfach wahnsinnig schön.

Kozjak-Wasserfall

 

Cezsoča – Hier endet meine Tour

Allzu viel Zeit kann ich aber bei diesem Naturphänomen nicht verbringen, denn zum einen ist es hier in dieser Höhle ziemlich kalt, zum anderen neigt sich meine Woche so langsam dem Ende entgegen.

Meine Kajak-Schulung hatte ich lange im Vorfeld gebucht. Dies ist auch die einzige Einschränkung meiner Reise. Ich habe eine klare Zeitvorgabe, bis wann ich den Treffpunkt erreichen, und eine klare Vorgabe des Ortes, den ich zu diesem Zeitpunkt erreicht haben muss.
Der weitere Weg führt demnach nach Cezsoča, ein kleiner Ort etwa 25 Gehminuten von Bovec entfernt. Der kleine Ort liegt nordöstlich von Kobarid ebenfalls direkt am Laufe der Soča.

Von meinem aktuellen Standpunkt bin ich etwa 20 Kilometer von Bovec entfernt und ich denke mir, dass ich mich zum Abschluss meiner Tour noch einmal so richtig auspowern will. Und schon stehen die erwähnten 20 Kilometer auf meinem Tagesplan. Während dieser Abschlusstour wechselt ständig das Wetter. Soca bei CezsocaMal leichter Nieselregen, mal ein heftiger Schauer und ein anderes Mal brennt mir die knallende Sonne auf der Haut. Nebenbei bewundere ich die sagenhafte Schönheit dieses Landes. Erst im letzten Abschnitt beginnt wieder der große Kampf gegen den eigenen Körper, der einfach nur den schweren Rucksack von den Schultern nehmen und die Füße hochlegen möchte. Aber noch ist es nicht so weit. Zähne zusammenbeißen und weiterlaufen.

Genau diese Momente liebe ich. Beim Laufen ist es eine wahnsinnige Anstrengung, aber wenn man sich durchgebissen und die Kilometer hinter sich gebracht hat, dann ist es einfach ein überragendes Gefühl.

Nach etwa 6 Stunden erreiche ich endlich den vereinbarten Treffpunkt in einer Gaststätte und gönne mir erst einmal ein großes Bier. Dieses habe ich mir redlich verdient. Bestimmt gibt es noch zahlreiche andere Sehenswürdigkeiten in diesem wunderschönem Land. Einige davon darf ich noch während meiner Kajak-Schulung bewundern. Ich bin mir aber sicher, dass dies nicht mein letzter Besuch in Slowenien sein wird und beim nächsten Mal wähle ich eine andere Route. 😉

Auf jeden Fall ist diese Tour eine tolle Erfahrung für mich mit vielen lehrreichen Eindrücken und Empfindungen. Nicht zu vergessen natürlich die Menschen, die ich kennenlernen durfte und die mir jederzeit sehr gastfreundlich und hilfsbereit entgegengekommen sind.

Vielen Dank für diese tolle Reise!!

 

8 Comments Tour in Slowenien – Ein Tagebucheintrag

  1. Tina 2. Oktober 2014 at 21:43

    Du solltest Bücher schreiben, ich hab den Beitrag sehr gerne gelesen, super geschrieben. Spannendes Hobby… 🙂
    Grüße,
    Tina

    Reply
    1. Tobi 2. Oktober 2014 at 22:26

      Wooowww danke für das Kompliment. =)
      Und natürlich freut es mich, dass es dir gefällt. Vielleicht trifft man sich ja mal in den Wäldern. 😉

      Liebe Grüße,
      Tobi

      Reply
  2. Lena 13. November 2015 at 12:49

    Sehr gut geschrieben, macht Lust auf mehr. Habe selbst vor demnächst eine Tour durch Slowenien zu machen. Viele Tipps und Ideen hier geholt, danke!

    Grüße
    Lena

    Reply
    1. Tobi 13. November 2015 at 13:01

      Gern geschehen.
      Und viel Spaß in Slowenien. =)

      Liebe Grüße,
      Tobi

      Reply
  3. Elisa 23. Februar 2017 at 12:29

    Was die eigentlich unscheinbaren Länder nicht alles zu bieten haben. Ich bin sehr positiv überrascht und freue mich darauf, ebenfalls solche Reise in Kürze anzugehen 🙂
    Dein Beitrag ist super. Freue mich darauf, noch mehr zu lesen. Liebe Grüße aus Welschnofen Südtirol.

    Reply
    1. TobiAdmin 28. Februar 2017 at 9:06

      Hi Elisa,
      freut mich sehr, dass dir der Bericht gefallen hat. Check gerne auch den dazugehörigen YouTube-Kanal aus. Dort findest du noch weitere Eindrücke zu anderen Reisen.

      Liebe Grüße nach Südtirol,
      Tobi

      Reply
  4. Lorina 12. Mai 2017 at 11:28

    Hallo Tobi,

    Spannender Bericht! Ich überlege gerade, im Sommer auch einige Wochen durch Slowenien zu reisen. Jedoch hab ich recherchiert, dass die verdammt streng sind, was wild campen angeht. Was hast du dahingehend für Erfahrungen gesammelt?

    Danke und liebe Grüße!
    Lorina

    Reply
    1. Tobi 15. Mai 2017 at 7:54

      Hi Lorina,
      vielen Dank für dein Feedback!!

      Mit „die“ meinst du die Polizei? Viele Einheimische campen wild – es ist also nichts Neues. 😉
      Zu beachten beim Wildcampen – unabhängig davon, ob in Deutschland, Slowenien oder sonstwo auf der Welt – ist allerdings, dass du dich unauffällig verhältst. Dann wird dich in der Regel niemand bemerken und es wird keine Probleme geben. Bedenke des Weiteren auch, dass es in Slowenien Bären und andere Wildtiere gibt, d.h. unter keinen Umständen Nahrungsmittel mit ins Zelt nehmen. „Küche“ und Schlafplatz IMMER getrennt.

      Liebe Grüße,
      Tobi

      Reply

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